Absolute Dominanz

Martin Fourcade und Tora Berger – zwei große Namen, die den Biathlon-Zirkus in der ­abgelaufenen Saison beherrschten wie kaum jemand zuvor.

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Verdient an der Spitze: Martin Fourcade ließ der Biathlon-Konkurrenz kaum eine Chance.

Die deutschen ­Athleten hatten hingegen mit ­einer ­schwierigen ­„Umbruchsaison“ zu kämpfen.

Text Marcus Holzer

Er ist nach wie vor das Maß aller Dinge. Nachdem ­Martin Fourcade im vergan­genen Jahr erstmals den ­Gesamtweltcup gewinnen konnte, präsentierte er sich diesmal von Anfang an in Bestform. Dem Sieg im ersten Einzelrennen über 20 Kilometer in Öster­sund folgten zehn weitere ­Triumphe; das gelbe Trikot des Führenden gab er die gesamte ­Saison nicht mehr her. Alle Kristall­kugeln in einer Hand – das hatte es zuletzt unter Fourcades französischem Landsmann Raphael Poirée gegeben. Entsprechend groß war am Ende die Freude beim überragenden Gesamtsieger: „Ich bin sehr froh, es meinem Idol aus der Jugend gleich­zutun“, jubelte er nach dem letzten Auftritt im russischen Chanty-Mansijsk. Auf Platz zwei landete, wie ebenfalls im Vorjahr, Emil Helge Svendsen. Immerhin: Bei der Weltmeis­terschaft im tschechischen Nove Mesto im Februar hatte der Norweger mit insgesamt vier Goldmedaillen sowie ein Mal Bronze ­gegenüber seinem französischen Rivalen klar die Nase vorn. Denn Martin ­Fourcade holte sich „nur“ ein Mal Gold und vier Mal Silber.

Im Damenbereich ein ähnliches Bild: Die Vorjahresdritte Tora Berger hat sich mit dem Gewinn des Gesamtweltcups endlich ihren großen Traum ­erfüllt. Am Ende verbuchte sie, wie Fourcade, starke elf Weltcupsiege. Vier WM-Titel und zwei Mal Silber rundeten die grandiose Saisonleistung der 31-jährigen Norwegerin ab.

NACH NEUNER

Für die DSV-Athletinnen war es das erwartet schwere „Jahr eins“ nach Magdalena Neuner. Der deutsche Biathlon-Mega­star hatte sich bekanntlich nach nur sechs Jahren aus dem aktiven Geschehen ver­abschiedet – und eine Lücke hinterlassen, die bis jetzt nicht geschlossen werden konnte. Anfangs hatte es den Anschein, als würde „Lenas“ Freundin Miriam Gössner die Gunst der Stunde nutzen ­können, doch Unkonzentriertheiten machten ihr in entscheidenden Phasen immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Schade, denn so blieb ihr nach einem furiosen Start in die neue Saison am Ende „nur“ Platz neun in der Gesamtwertung.

Die beste Deutsche war „Oldie“ ­Andrea Henkel, die am Ende immerhin den dritten Rang für sich beanspruchen konnte und die Ehre des bisher so erfolgsverwöhnten DSV ­rettete – und das gleich doppelt. Bei der Weltmeisterschaft ­errang die 35-Jährige nämlich die einzige Silbermedaille. ­Darüber hinaus winkte der Herrenstaffel Bronze – das war’s. Aus deutscher Sicht das schlechteste WM-­Ergebnis seit 22 Jahren. „Ich finde es nicht richtig, alle Schuld auf die Sportler zu schieben“, setzte sich Magdalena Neuner sportlich fair für ihre ehemaligen Kolleginnen ein. Handlungs­bedarf sehe sie eher innerhalb der ­Trainerriege, erklärte die Wallgauerin kürzlich.

HARTE ZEITEN

Ernüchterung herrschte zum Abschluss bei den Herren. ­Andreas Birnbacher war wie im letzten Winter bester DSV-Starter. Im Vergleich zum ­Vorjahr, als er sich Platz drei in der Gesamtwertung und die kleine Kristallkugel im Massen­start sichern konnte, verlief die Saison aber nicht immer ­optimal für den Priener. Enttäuschungen gab es für den Vorjahresvierten Arnd Pfeiffer, der am Ende gar nur auf Platz 18 landete. „In den Einzel­rennen konnte ich läuferisch häufig nicht mit den Top­athleten mithalten, und auch am Schießstand bin ich mit meinen Leistungen oft unzufrieden gewesen“, schätzt er die Situation offen in seinem Blog ein. Erik Lesser schloss den Weltcup als zweitbester Deutscher auf Platz 14 ab.

Nun stellt sich die Frage, was in Hinblick auf die Olympischen Spiele in Sotschi getan werden muss. Miriam Gössner sollte konstanter werden und an ihrer Nervenstärke arbeiten. Das weiß sie aber auch, und es ist davon auszugehen, dass wir in der kommenden Saison eine weitere Steigerung erleben. Andrea Henkel ist immer noch für eine Medaille gut – nicht nur bei der WM, sondern auch bei Olympia. Im Herrenbereich wirkt die Lage ernster. Martin Fourcade, Emil Helge Svendsen und Co. werden aus heutiger Sicht nur schwer für die DSV-Asse zu knacken sein. Der von Magdalena Neuner ­angeregte Wechsel im Trainerstab ist derzeit übrigens kein Thema. DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller sprach Bundestrainer Uwe Müßiggang und seinem Team direkt nach der WM das Vertrauen aus. Nach den großen Erfolgen in der ­Vergangenheit werde man nun nicht alles infrage stellen.

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Erfahrung zahlt sich aus: Andrea Henkel konnte die Erwartungen der Fans erfüllen.

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