Demino Ski-Marathon

Wo sonst als im Land der diesjährigen Olympischen Winterspiele könnte unser Tipp für einen vielversprechenden Ski-Marathon liegen? nordic sports empfiehlt den Demino-Marathon im Herzen Russlands.

Wie eigentlich alle wirklich kultigen Sportevents entstammt der ­Demino-Lauf nicht den Planungen von Tourismus-Managern, sondern einer örtlichen Tradition, man sagt sogar einer Schnapsidee. Um den Winter gebührend zu verabschieden, trafen sich anfangs 50 bis 60 Läufer aus den umliegenden Dörfern. Eine rührende Begebenheit hatte indirekt Einfluss auf die Streckenführung: Im skibegeisterten Ort gab es eine Art Platzwart, der sich fast fanatisch um Loipen, das Stadion und die Läufer kümmerte. Zu Ehren von Vladimir Mikhailovich Naumov fand der Lauf jeweils an seinem Geburtstag statt und war exakt so viele Kilometer lang, wie er alt geworden war. Nach seinem Tod wurde die Tradition zwar weitergeführt, bröckelte aber mit der Zeit wie das nun ungepflegte ­Stadion. Erst mit dem Bau eines neuen Stadions erinnerte man sich der Geschichte, der Marathon zu Ehren Naumovs ist einer der beliebtesten ganz Russlands. Seit 2007 ist der Demino Ski-Marathon einer professionell organisierte Veranstaltung.

Moderner Event

Der späte Termin im Kalender rührt von den mitunter ultraharten Wetterbedingungen im Winter her, kommt aber denen, die sich erst um Weihnachten zu einem Loppet entschließen, sehr entgegen.

Erst seit 2012 ist die Veranstaltung Teil der Worldloppet-Serie. Seitdem wird die Zeit professionell mit Chip gemessen und die Strecke mit großem Aufwand präpariert. Vorbei sind die Zeiten, in denen wegen heftigem Schnee der 50er auf einer fünf Kilometer langen Runde ausgetragen wurde. Gleich 1.600 Läufer machten sich 2012 auf die große oder, wie man in Russland sagt, „goldene“ Runde. Unter ihnen war auch der russische Topläufer Nikita Kryukov. Neben dem 50-Kilometer-Rennen im freien Stil finden ein 25er in klassischer Technik sowie Rahmenprogramm-Läufe wie der BabyRun für Kinder von vier bis sieben Jahren statt. Einen Kilometer klassisch müssen die Stöpsel überwinden, nach Aussagen von Teilnehmern im vergangenen Jahr ein „Bild für die Götter“. Wie Kinder fühlen sich echte Langlauffans übrigens wegen der Streckenführung. Der Kurs schlängelt sich exakt durch das ­Areal, auf dem der Cross-Country-Weltcup ausgetragen wird.

Streckendetails

Für die Großen hält die Region eine in sich sehr verschlungene Runde bereit. Die ­sogenannte „goldene Runde“ über 50 ­Kilometer beinhaltet tatsächlich keine Doppelungen im Streckenverlauf. Kurvensicher sollte man sein angesichts der gefühlt 10.000 Kehren. Dafür ist das Profil nicht nur etwas für Profis. Die vielen kleinen Steigungen halten jedermanns Pumpe auf Trab, es gibt aber keine unüberwindbar scheinenden Rampen oder bergpass­ähnliche Anstiege. Die 820 Höhenmeter, verteilt auf 50 Kilometer Strecke, ergeben einen Schwierigkeitsgrad im Bereich „versierter Hobbyläufer“. Etwa alle sieben ­Kilometer befindet sich eine Verpflegungsstelle, die mittlerweile dank Sponsoren auch gut bestückt sein sollen; seinerzeit war lauwarmer Tee das höchste der ­Gefühlt. Tipp: Dennoch selbst zwei Riegel und eine Flasche mitführen! Bei relativ neuen Veranstaltungen sind die Ausrichter teilweise noch zu unerfahren, was Mengen und Art der Verpflegung angeht. Die muss man sich mit maximal 2.500 Startern teilen. Der Start erfolgt als Massenstart in Wellen mit je drei Minuten ­Abstand. Die Zeitmessung wird via Chip durchgeführt, wie bei Worldloppets üblich, natürlich wird die Nettozeit gewertet. Finisher bekommen nach Zieldurchfahrt ihren Stempel für die Wertung der Serie.

Die Austragungsregion

Die Stadt Rybinsk liegt direkt am Ursprung der Volga in der Region Yaroslavl. Die Anbindung an das öffentlich Verkehrsnetz ist ausreichend, aber man sollte genug Zeit einplanen. Von Moskau fährt man etwa vier Stunden bis Rybinsk, mit dem Zug sogar länger. Dort liegt auch der nächstgelegene Flughafen. Bei den Reisetipps wird auch der in St. Petersburg angegeben, doch der liegt schlappe 730 ­Kilometer entfernt. Tipp: Mindestens zwei bis drei Tage einrechnen, bis sich der Bewegungsapparat von der einseitigen Haltung erholt hat!

Nordic sports-fazit

Trotz aller Kontrolle der Orga durch das Worldloppet-Komitee und Bemühungen um Perfektion: Der Demino-Marathon ist laut einigen Finishern sehr traditionell, volksnah und, wie viele sagen, menschlich. Über kleine Pannen sollte man hinwegsehen, angesichts der sehr gastfreundlichen Atmos­phäre. Gerade deshalb auch unser Tipp für das Frühjahr 2014: Demino, Russland!

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Väterchen Russland: Hier trifft man noch echte Typen und Charakterköpfe.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: nordic sports Nr. 01 / 2014

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