Dolomitenlauf feiert Jubiläum: 44 Jahre Kampfansage

Franz Theurl ist der Organisator des traditionsreichen Dolomitenlaufs und Worldloppet-Gründungsmitglied. nordic sports hat ihn zu den bewegenden letzten Jahren befragt.

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Das volle Programm: Seit jeher bietet der Dolomitenlauf von Klassisch bis Skating alles, was das Langläufer-Herz begehrt.

Herr Theurl, der Dolomitenlauf ist einer der größten und bedeutendsten Volkslangläufe – wie kam es zu dieser Entwicklung?

Franz Theurl: Im ­Jänner 1970 wurde der Dolomitenlauf erstmals ausgetragen. Damals waren 49 Langlauf-Enthusiasten am Start. 1975 kamen schon über 2.500 Teilnehmer aus aller Welt nach Lienz, und 1982 waren es sogar 3.300 ­Langläufer. Dolomitenlauf-Gründer Robert Steiner prägte damals das Dolomitenlauf-Motto „Jeder ein Sieger über sich selbst“. Auch heute gilt für Lang­läufer aus mehr als 30 Nationen dieser Leitspruch, wenn sie die Herausforderung „Dolomitenlauf“ annehmen. Man muss dazu bemerken, dass Ende der 70er Jahre ein wahrer Langlaufboom entstanden ist und auch weitere Volkslangläufe gegründet wurden, was in den späten 80er Jahren zu einer Verzerrung der Teilnehmerzahlen geführt hat. Heute sind nur die starken Ver­anstalter übrig geblieben. Der Volks­langlauf hat auch wesentlich dazu ­beigetragen, dass diese Wintersportart in den Alpenländern als touristisches ­Angebot Einzug gehalten hat. Heute ist das Langlaufen neben dem alpinen ­Skilauf ein sehr wichtiges Winter­urlaubsmotiv geworden.

44 Jahre Dolomitenlauf und die 40. Austragung – wie passt das zusammen?

Wir hatten im Lienzer Talboden Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre immer wieder Schneeprobleme und mussten die Veranstaltung daher einige Male absagen. Seit wir vor über zehn Jahren unser Osttiroler Langlaufmekka Obertilliach, welches auf der Südseite der Lienzer Dolomiten liegt, als Ersatzstrecke einbezogen haben, gibt es keine Absage mehr, und wir sind damit auch eine der verlässlichsten Veranstaltungen im Alpenraum geworden. Gäste aus aller Welt können sich nun darauf verlassen, dass der Dolomitenlauf immer zur Austragung gelangt. Die traumhafte Winterlandschaft in ­Obertilliach, wo auch seit Jahren das Dolomiten-Classicrace am Vortag zum Dolomitenlauf ausgetragen wird, fasziniert Langläufer aus der ganzen Welt immer wieder aufs Neue. Das Dolomiten-Classicrace zählte zwischenzeitlich zu einem besonders begehrten Wettbewerb.

Mit 2.500 Teilnehmern zählt der Dolomitenlauf zu den eher kleineren Veranstaltern im Reigen von Worldloppet, wo die bedeutendsten Volkslangläufe der Welt vereint sind. Wie kann sich ein kleiner Veranstalter in diesem prominenten Umfeld – wie Vasalauf – behaupten?

Man könnte sagen: Klein, aber oho! Der Dolomitenlauf war maßgeblich an der Gründung von Worldloppet beteiligt bzw. war überhaupt die allererste Veranstaltung, die in dieser weltumspannenden Vereinigung im Jänner 1979 zur Austragung gelangte. Ich war damals schon bei den Verhandlungen mit Toni Wise (Worldloppet-Begründer aus Wisconsin/USA; Anm. d. Red.) eingebunden. Heute bin ich der ­einzige Funktionär in dieser Vereinigung, die zwischenzeitlich an die 150.000 Langläufer jährlich an den Start führte, der noch als Aktiver übrig geblieben ist. Bereits 1973 wurde über Initiative von Robert Steiner der Alpentris gegründet, welcher aus Dolomitenlauf, König-Ludwig-Lauf und dem Marcialonga bestand. 1975 folgte der Euroloppet, der heute als Basis für Worldloppet zu sehen ist. In sportlicher Hinsicht gibt es nun auch noch den FIS-Marathoncup, wo es für Weltklasse­läufer und -läuferinnen ­wertvolle Punkte und einen begehrten Sieg zu erringen gibt. Auch hier ist der Dolomitenlauf eingebunden und zählt somit zu den zehn bedeutendsten Volkslanglaufveranstaltungen der Welt.

Was sind die Stärken des Dolomitenlaufes, und warum kommen jährlich viele Gäste aus aller Welt nach Osttirol, um sich den begehrten Sieg über sich selbst zu holen?

Der Dolomitenlauf hebt sich im Worldloppet hervor, indem er mit über 80 Prozent den größten Teil ausländischer Läufer vorweisen kann. Wenn man das Elitefeld des Dolomitenlaufes betrachtet, so liegt dieser mit dem Vasalauf im absoluten Spitzenfeld. So konnte beim 39. Dolomitenlauf ­Superstar Petter Northug mit weiteren Weltmeistern und Olympiasiegern am Start registriert werden. Dadurch hat der Dolomitenlauf auch die notwendige mediale Aufmerksamkeit. Langläufer aus aller Welt schätzen die Tradition und das besondere Flair beim Dolomitenlauf. Auch die Gastfreundschaft und die Begeisterung der Bevölkerung spielen dabei eine große Rolle.

Warum gilt der Dolomitenlauf als Entwicklungswerkstätte im Langlaufsport?

Im Jahr 1979 habe ich gemeinsam mit Robert Steiner am Hauptplatz von Lienz den ersten Langlaufsprint der Welt ausgetragen. Damals haben sie uns für verrückt erklärt – heute ist der Langlaufsprint eine olympische Disziplin. Seit 35 Jahren tragen wir den Dolomitensprint jährlich im Rahmen des Dolomitenlaufes unmittelbar nach der feierlichen Dolomitenlauf-Eröffnung immer noch am Hauptplatz aus. Man kann behaupten, dass der Dolomitensprint nach wie vor an Attraktivität und Spannung nicht zu übertreffen ist. Allein schon deshalb lohnt es sich, zum Dolomitenlauf nach Lienz zu kommen. Aber auch die Eröffnung mit der Entzündung des Dolomitenlauf-Feuers lässt immer wieder einen Hauch von Olympia aufkommen. Die Etappensprints auf der Dolomitenlaufstrecke haben Anfang der 80er Jahre ebenfalls für Innovation gesorgt. Heute nutzt auch der Vasalauf diese Wertungen, um das Rennen spannender zu gestalten. Neben dem ­Vasalauf war der Dolomitenlauf das erste Rennen, das mit dem Ziel in ein Stadt­zentrum geführt hat.

Was sind die Highlights für den 40. Dolomitenlauf, und warum lohnt es sich, an den Start zu gehen?

Wir haben für das Jubiläum ein sehr schönes Rahmenprogramm zusammengestellt, welches mit dem Romantiklauf beginnt – ein „Welcome“ für alle internationalen Gäste. Am Freitag gibt es eine sehenswerte Eröffnung am Hauptplatz mit dem darauf folgenden Dolomitensprint, und am Samstag wird das Dolomiten-Classicrace im Winterparadies Obertilliach gestartet. Der Jubiläumslauf steht am Sonntag am Fuße der wildromantischen Lienzer Dolomiten auf dem Programm. Die Bevölkerung in den Orten und der Organisationsstab ­arbeiten schon seit Wochen auf das ­Großereignis hin, um allen Teilnehmern ein schönes Erlebnis zu bescheren.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Langläufer aus aller Welt schätzen die Tradition und das besondere Flair beim Dolomitenlauf.

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