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La Venosta: Sanftes Land – harte Typen

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Die "Krampusse" sind etwas zwischen Teufel und Knecht Ruprecht. Sie sorgen für Unterhaltung an der Strecke.
© Newspower.it

Kurz vor Weihnachten richtete die Region am Reschensee in Südtirol einen völlig neuen Volkslauf aus. Unser nordic sports-Autor hat den Neuling ausprobiert.

Text: Timo Dillenberger

Während die ersten Wintersportevents im Dezember kapituliert haben und es erste Stimmen gibt, auch die Weltcupsaison erst im Januar starten zu lassen, zeigen die Leute im nordwestlichsten Teil Südtirols breite Brust und bilden neben der La Sgambeda in Livigno ab sofort so etwas wie den Saisonauftakt in den Skimarathon-Winter. Sehr mutig. Und auch erst einmal unglaublich, als uns von nordic sports die Ski- und Schuhtests über die österreichisch-italienische Grenze runter ins Tal am Reschensee führten. Hier war zwar offiziell Winter, aber der wenige Puderzucker konnte doch auf keinen Fall für eine Loipe, geschweige denn für einen Event ausreichen!

Zugegeben, die Informationslage zum neuen Volkslauf war bis dahin noch gering. Woher sollten sie auch kommen, hatte ja noch nie jemand daran teilgenommen. Es gab auf der Website ein Höhenprofil, Kilometerangaben und den typischen Lobgesang auf die Schönheit der Strecke, aber das ersetzt ja nur theoretisch einen Erfahrungsbericht. Der sollte ja auch von uns kommen.

Party im Kopfbahnhof

Aber, Sekunde mal! Da gab es auch noch eine Höhenangabe – rauf auf rund 1.900 Meter musste man zum Startpunkt des La Venosta – der Reschensee rechts von mir mit seinem abstrus anmutenden Kirchturm mitten im Wasser liegt aber nur auf 1.500, außerdem wurde das Bus­shuttle zum Start als quasi alternativlos angepriesen, was bei einem Event, der auf 500 Teilnehmer begrenzt ist, in diesem breiten Tal wie ein völlig unnötiges Serviceangebot aussieht, vergleicht man das mal mit Massenspektakeln wie dem Engadiner. Die ­Lösung aller Rätsel: Der La Venosta findet nicht im Zentrum des touristischen Lebens statt, sondern in einem Seitental vom Örtchen Graun aus. Als es auf der kurvigen Straße durch die Klamm des Langtaufer Tals gleich mehrmals in den Ohren knackt, ist klar, die Richtung stimmt, es geht nach oben! Und kurz drauf spucken einen die ­engen Felswände aus und ein vorher fast ­beängstigender Weg wird zur sonnenüberfluteten Anfahrt zum Startgelände. Eine Handvoll Häuser, ein Hotel noch im Saisonschlaf und jede Menge Schnee und Menschen, zumindest im Verhältnis zum Platzangebot.

Die maximal 500 Teilnehmer scheinen angesichts der Verhältnisse fast optimistisch. Und die Straße endet hier auch einfach, nicht im Nichts, aber zumindest am Rande jeglicher Infrastruktur. Die wenigen befestigten Flächen sind bereits von der Rennlogistik in Beschlag genommen. Über allem thront der gigantische TV-Kran und der Service-Truck von der „Visma“. Dazu das große, beheizte Zelt, wo es schon nach Pasta duftet. Die Startliste für den klassischen Lauf am Samstag ist gut zur Hälfte gefüllt, deshalb ist an der Anmeldung auch nichts von der üblichen Vorrenntagshektik zu spüren. Die Südtiroler sind da eh nicht wirklich infektanfällig. Sorgen um die Loipe muss man sich auch keine machen, denn es schneit wie aus Kübeln. Die Rennstrecke ragt vom „Kopfbahnhof“ der Straße rechts und links in die weiße Kuhle hinein, die ringsum von Felswänden und Wald eingeschlossen ist. Das Sprichwort vom Ende der Welt bekommt hier einen sehr positiven Beigeschmack. Man hat das Gefühl, als müsse man der Welt „auf Wiedersehen“ zurufen, wenn man in die Spur steigt und sich Richtung Weißkugel und Ötztaler Gletscher auf den Weg macht.

Den kompletten Artikel lesen Sie in der nordic sports 2/2020.

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