Wintertriathlon: Laufen, biken, skaten

Immer mehr Sportler ent­decken den Wintertri­ath­lon für sich, doch noch besitzt ­dieser Ausdauer-Dreikampf in der kalten Jahreszeit ­einen Exotenstatus.

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Text Uli Wittmann

Im Winter versuche ich vor allem an den Schwächen im Stabi- und Kraftbereich zu arbeiten, außerdem gehe ich gerne min­destens ein Mal für ein paar Tage zum Skilanglaufen“, sagt Daniela Sämmler, Siegerin 2012 beim Frankfurt City Triathlon. Doch manche der „sommerlichen“ Dreikämpfer gehen noch einen Schritt weiter und treten beim Wintertriathlon an. „Für mich ist es eine willkommene Abwechslung zum Wintertraining. Ich bin eh viel auf Skiern unterwegs, und die Wettkampfdauer von etwa einer Stunde ist nicht lang“, weiß „­Ironman“-Gewinner ­Michael Göhner.

Der Sommertriathlon verlangt den Sportlern konditionell alles ab. ­Entsprechend intensiv bereiten sich die Triathleten vor. Dazu erklärt Matthias Filser, ehemaliger Athlet und ­Veranstalter des Wintertriathlons in Ober­staufen: „Es ist ein sehr abwechslungsreiches Training, da drei Sportarten trainiert werden müssen. Der Körper braucht seine Ruhepausen, und ein Sommertriathlet sollte seine Akkus im Winter wieder aufladen. Es hält aber keinen davon ab, auch mal zum Spaß einen Winter­triathlon mit zu ­machen.“ 1999 startete in Oberstaufen (Allgäu) der erste Dreikampf im Winter. Vier Jahre später fand hier die Weltmeisterschaft im Winter­triathlon statt.  

Im Wettkampf laufen die Teilnehmer zuerst sechs Kilometer im verschneiten Gelände. Anschließend wechseln sie auf die Mountainbikes und radeln zwölf Kilometer durch die winterliche Landschaft. Zum Schluss geht es in die Loipe. Im Skating-Stil laufen die Triathleten eine Distanz von acht Kilometern. „Faszinierend ist, im Winter sehr ­intensive Wettkämpfe machen zu können, und das in Kombination mit der tollen Sportart Langlaufen und der ­Bewegung im Schnee“, meint Sebastian Neef. Er belegte bei der Deutschen Meis­terschaft im Wintertriathlon 2012 den dritten Platz und gewann den U23-Titel.

Technik will geübt sein

Im Wintertriathlon gibt es wenige Spezi­alisten. Die Anzahl der Wettkämpfe ist überschaubar, der Wettkampf in Ober­staufen ist einzigartig in Deutschland. Weitere Wintertriathlons finden in Österreich, der Schweiz und Italien statt. Wie sich das Teilnehmerfeld zusammensetzt, erklärt Oli Presser, Madshus-Händler und ehemaliger Triathlet: „Das Feld ist bunt gemischt. Viele Triathleten, darunter auch Profis wie Ironman-Sieger Michael Göhner und ­Olympia- Triathlet Maik Petzold, waren schon mehrmals erfolgreich am Start. Aber auch Spezialisten aus der MTB- und Skilanglaufszene stellen sich den Herausforderungen des Winter-Dreikampfs.“

Beim konventionellen Triathlon bestehen ganz andere Ansprüche an das Material. ­Spezielle Triathlonräder aus Carbon bringen einen entscheidenden Vorteil. ­Anders beim Wintertriathlon. Hier helfen spezielle Lenker­aufsätze und aerodynamisch optimierte Laufräder wenig. Mit Mountainbikes kämpfen sich die Teil­nehmer durch den Schnee. Griffige Reifen sind der Schlüssel zum Erfolg. Dem­entsprechend ist die Belas­tung eine ­andere. Hinzu kommt die ­„unbekannte“ Sportart Skilanglauf. „Laufen, Mountain­bikefahren und Langlauf sprechen komplett unterschiedliche Muskelgruppen an“, bringt Ex-Triathlet Matthias Filser die Hauptschwierigkeit des Wintertriathlons auf den Punkt. Während im Sommer die technische Disziplin das Schwimmen ist, kommt im Winter das vom Bewegungs­ablauf anspruchsvolle Langlaufen am Schluss. Für Sebastian Neef, dem deutsche U23-Meister im Winter­triathlon, ist „dies der intensivste Teil. Also viel Langlaufen gehen!“ Allerdings sind für ­einige Teilnehmer der schnelle Wechsel der Lauf- und Langlaufschuhe und das Anschnallen der Skier problematisch. Deshalb rät Neef: „Auch der ungewohnte Wechsel auf die Skier sollte geübt werden.“

Sport für Jedermann

Auch Freizeitsportler und Betriebsstaffeln starten beim Jeder­mann-Rennen in Ober­staufen. „Der Winter­triathlon kam ganz am Ende unserer Saison“, erklärt Marc ­Burgardt vom Madshus Energy Race Team (Marc ­Burgardt, Felix Wagner, Hans Drexler). „Ich bin gelaufen, Felix ist Rad gefahren, und Hans war der Langläufer. Für Felix und mich war es die erste Lauf- bzw. Radeinheit in der Saison, dafür ging’s ganz gut. Hans hat als Schlussläufer noch ordentlich was rausgelaufen. Wir waren am Ende Vierter, und wir haben vor, ­diese Saison wieder zu starten.“ Und Teamkollege Felix Wagner ergänzt: „Das war mal ein anderer Wettkampf, der richtig Spaß gemacht hat, auch wenn wir am Ende nicht so gut waren, was sicher auch daran lag, dass wir im Laufen und Radfahren ,Spezialisten‘ als Gegner hatten. Doch ich freue mich schon auf 2014.“

Spezialisten aus dem nordischen ­Bereich können in der Loipe Plätze gut­machen, während Teilnehmer mit einer weniger guten Skating-Technik wertvolle Zeit verlieren. Es kann zu extremen Leistungsunterschieden kommen. „Die Technik auf dem Langlaufski ist sehr wichtig, vor allem, wenn man auf den Brettern noch nicht viel Routine hat“, ergänzt Oli Presser. ­Für Einsteiger hält er folgende Tipps ­bereit: ­„Zunächst ist es wichtig, eine solide Grundlagenausdauer aufzubauen. Die drei Sportarten machen das Training abwechslungsreich, und der Spaß am Sport ist ­sowieso das A und O. Im Vereinstraining oder beim Training mit Gleichgesinnten kann man sich manchen Tipp für den ­ersten Wettkampf holen. Ein Jedermann-Rennen ist dann der beste Einstieg in die Wettkampfszene.“

Punkten kann der Winter­triathlon eindeutig bei den Kosten. Im Gegensatz zum Sommer brauchen die Dreikämpfer keine Hightech-Rennräder. Benötigt wird allerdings eine winter­taugliche Lauf- und Radkleidung. Die Laufschuhe müssen Schnee, Matsch und Eis standhalten sowie eine griffige Sohle ­haben. Wichtig ist auch die richtige Mountainbike-Bereifung. Hier muss der Dreikämpfer den richtigen Grip finden, um zwölf Kilometer möglichst schnell zu radeln. Besonders entscheidend über den Erfolg ist das richtige Skiwachs. Denn perfekt präparierte Skier vermeiden unnötigen Kraftaufwand. Doch die richtige Vorbereitung ist für Einsteiger grundlegend. „Wie beim Sommertriathlon gilt: Wer zum ers­ten Mal ­teilnimmt, sollte die doppelte Wettkampf­distanz locker im Einzelnen absolvieren können“, stellt Matthias Filser fest.

Wintertriathlon hat Zukunft. In Ober­staufen gibt es bereits einen erfolgreichen Kidsrun, und die Jugend A darf beim Dreikampf starten. So erleben die Nachwuchssportler den faszinierenden Wintertriathlon, und manche bleiben dabei.

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Beim Wintertriathlon ist das Laufen die erste Disziplin.

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