Befallen vom 
Langlauf-Virus

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Der Hochschwarzwald bietet rund 700 Kilometer Loipen vor einer eindrucksvollen Naturkulisse.
© Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Landschaftlich reizvolle und sportliche Loipen findet man nicht nur in den Alpen. Auch in den deutschen Mittelgebirgen gibt es echte Langlauf-Hotspotsvor. Zum Beispiel im Hochschwarzwald, einer langlaufverrückten Region, die sowohl für Genussläufer als auch für ambitionierte Sportler ein attraktives Ziel ist.

Die Luft ist glasklar und eiskalt, die Morgensonne bringt die Eiskristalle auf der feinen Neuschneeschicht, die sich in der Nacht über die Bergkuppen und Wälder gelegt hat, zum Glitzern. Keine Spur von den Nebelfeldern, die sich sonst so gerne am frühen Morgen über die Schwarzwaldhöhen legen. Die einzigen Nebelschwaden, die wir heute sehen, kommen aus dem Mund – kondensierende Atemluft. Schnee und Kälte haben die Bäume und Büsche am Rande der frisch gespurten Loipe in ­bizarre ­weiße Gebilde verwandelt. Eine ­Bilderbuchlandschaft und … herrliche Ruhe. Einen Augenblick lang scheint die Zeit still­zustehen, als ­hätte jemand auf eine imaginäre Pausentaste gedrückt.

Wir sind unterwegs am Thurner im Hochschwarzwald, nur wenige Auto­minuten von Hinterzarten entfernt, ungefähr auf halber Strecke zwischen ­Breitnau und St. Märgen. Und schnell wird uns klar, warum die Thurnerspur als eine der schönsten Loipen Deutschlands gilt. Wir haben angehalten, um die sensa­tionelle Aussicht zu genießen. Ein Meer aus weiß gezuckerten Berghöhen und Wäldern, ­dazwischen hervorstechend der Gipfel des Feldbergs, der mit 1.493 ­Metern nicht nur die höchste Erhebung des Schwarzwalds, sondern auch der höchste Berg aller deutschen Mittel­gebirge ist. Im Hintergrund hebt sich die Silhouette der Schweizer ­Alpen vor dem Horizont ab. Es ist der ­perfekte Morgen, um das Panorama zu ­genießen, das nicht nur Langlauffans am Hochschwarzwald so fasziniert.

Ein Langlauf-Eldorado

Hochschwarzwald ist eine Bezeichnung für eine nicht eindeutig umgrenzte Region, ­einen zwischen 850 und knapp 1.500 Meter ­gelegenen Naturraum im südlichen und mittleren Schwarzwald. Durch den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald ist der Begriff auch im Namen einer Verwaltungseinheit verankert. Touristisch umfasst er eine Reihe von Urlaubsorten, die sich ­unter der Dachmarke Hochschwarzwald Tourismus zusammengeschlossen haben. Zur Tourismusregion, die von St. Märgen im Norden bis Todtmoos im Süden reicht, zählen außer dem Feldberg beispielsweise der Schluchsee, die Bergwelt Todtnau und die Nordic-Sports-Hochburgen Hinter­zarten und Breitnau.

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Rund um den Feldberg gibt es auch schöne Waldstrecken, die nicht ganz so überlaufen sind.
© Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Die Region ist ein wahres Eldorado für Langläufer. Rund 120 Loipen mit einer ­Gesamtlänge von circa 700 Kilometern werden täglich präpariert. Die meisten sind sowohl klassisch gespurt als auch für die Skating-Technik. Das gesamte Loipennetz wurde vom Deutschen Skiverband zertifiziert und einheitlich ausgeschildert. Die ­Infrastruktur ist hervorragend: Gute Parkmöglichkeiten sind an den meisten Einstiegen vorhanden, viele Strecken sind auch mit dem öffentlichen Nahverkehr ­erreichbar. Es gibt Loipenhäuser und Schutzhütten sowie knapp 20 Ver­­leihstationen. Zahlreiche Skiclubs und -schulen bieten Langlaufkurse an. Das Loipenangebot reicht von kleinen Rund­loipen, die auch für Einsteiger bestens ­geeignet sind, über herausfordernde Höhen­loipen bis zu technisch anspruchsvollen Touren mit schweißtreibenden Anstiegen und ­rasanten Abfahrten.

Die Thurnerspur gehört zu den sportlicheren Touren. Die sowohl in der Klassik- als auch in der Skating-Variante rund 15 Kilometer lange Loipe führt an der Weißtannenhöhe bis auf knapp 1.190 ­Meter hoch. Da die komplette Strecke oberhalb der 1.000-Meter-Grenze liegt, gilt sie als besonders schneesicher. Kurze, aber stramme Anstiege, die die Beine durchaus zum Brennen bringen können, gibt es auf dieser Runde ebenso wie zackige Abfahrten, die aber niemanden abschrecken sollten, da sie ohne allzu scharfe Kurven auskommen und man durch Gegenanstiege von selbst wieder abgebremst wird.

Adrenalinkick oder Genuss?

Ein bisschen Sicherheit auf dem Ski ist aber schon erforderlich, und besonders bei weniger Geübten könnten die Downhill-Passagen auch mal für den ein oder anderen Adrenalinschub sorgen. Durch den Wechsel zwischen Waldpassagen und weitläufigen Hochflächen bekommt auch das Auge ständig Neues geboten. Diverse Abkürzungsmöglichkeiten (auf 8, 10 oder 12 km) sorgen dafür, dass die Strecke bei sportlichen Läufern ebenso beliebt ist wie bei Einsteigern. Für nachtaktive Loipenfans wird eine kürzere Runde sogar an ­einigen Abenden mit Flutlicht beleuchtet.

Die Kehrseite der Medaille: Ein Geheimtipp ist die Thurnerspur längst nicht mehr. An Stoßtagen kann es hier schon mal richtig voll werden. Ruhesuchende sollten sich dann vielleicht besser für eine ­andere der über 100 Touren im Hochschwarzwald entscheiden.

Die 8 Kilometer lange Rinken-Loipe, die unterhalb des Feldbergs durch einen Bergwald führt, ist beispielsweise weniger ­frequentiert als andere Loipen der ­Region. ­Ambitionierte Sportler können die ­mittelschwere Strecke mit der ­Fürsatz-Loipe zu einer anspruchsvollen 20-Kilometer-Tour verbinden. Anfänger suchen sich eine der zahlreichen einfachen Rundtouren der Region aus. Die 2,6 Kilometer lange Panorama­loipe Häusern nahe St. Blasien hat beispielsweise keine großen ­Höhenunterschiede und bietet trotzdem tolle Ausblicke.

Wettkampfluft schnuppern

Ausdauernde Langläufer können auf den 13 Etappen des 100 Kilometer langen Fern­skiwanderwegs zwischen Schonach im mittleren Schwarzwald und dem 1.214 Meter hohen Belchen ihre Grenzen austesten. Er führt mitten durch den Hochschwarzwald. Wer eine echte Herausforderung sucht, nimmt gleich am „Rucksacklauf um den Wäldercup“ teil und bewältigt die Strecke in einem Rutsch. Das seit 1978 stattfindende Event lockt Jahr für Jahr Hunderte abenteuerlustige Läufer an, die nach dem ultimativen Kick in der Loipe suchen. Die Bestzeit hält seit 1982 Georg Thoma aus Hinterzarten, 1960 Olympiasieger in der Nordischen Kombination, der die Strecke in 
5 Stunden und 51 Minuten schaffte.

Der Hochschwarzwald ist nicht nur ein Revier für Hobbyläufer, er zählt zu den großen Zentren des nordischen Skisports in Deutschland. Das Nordic Center Notschrei ist DSV-Bundesstützpunkt Ski Nordisch/Biathlon und somit primär ein Trainings- und Wettkampfzentrum für Leistungssportler. Bundes- und Landeskaderathleten benutzen die Anlage ebenso wie internationale Trainingsgruppen. Hobbyläufer, die mal am eigenen Leib den Nervenkitzel am ­Biathlon-Schießstand erleben möchten, haben in der Nordic-Arena die Gelegenheit dazu. Hier werden Biathlonkurse mit ­professionellen Trainern angeboten. Beim abschließenden Staffellauf können die ­Teilnehmer dann selbst ein wenig Wettkampfluft schnuppern.

Dass in der Region Langlauf nicht nur erlebt, sondern richtiggehend gelebt wird, erfahren wir in der Blockhütte am Ziel- und Startpunkt der Thurnerspur, als wir mit Mitgliedern des Vereins Club Thurnerspur ins Gespräch kommen. „Wir sind hier, wenn es um Langlauf geht, alle ein wenig verrückt“, sagt ein älterer Herr schmunzelnd. „Wenn einen der Langlaufvirus erst mal gepackt hat, lässt er einen nicht mehr los.“

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Die Nordic-Sports-Hochburg Hinterzarten liegt circa 25 Kilometer östlich von Freiburg.
© Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Die Thurnerspur wird anders als die meisten anderen Loipen, die von den Kommunen getragen werden, mit viel Herzblut von ehrenamtlichen Helfern des 1972 gegründeten und mittlerweile über 5.000 Mitglieder zählenden Vereins gepflegt und präpariert. Stolz ist man hier auch auf die zahlreichen Sportstars, die der Schwarzwald hervorgebracht hat. Auf Lokalmatadore wie die Biathleten Benedikt Doll und Roman Rees, die sich im März 2018 ein spannendes Duell beim vierten Notschrei-Lauf geliefert haben. Oder auf Fabian Rießle, den zweifachen Weltmeister und Olympiasieger in der Nordischen Kombination, der genau wie Doll zur Ski-Zunft Breitnau gehört. Egal, mit wem man sich hier unterhält, die Langlaufbegeisterung ist ansteckend. Und wenn man Glück hat, bekommt man dann beim „nordischen Après-Ski“ nicht nur spannende Loipen-Anekdoten zu hören, sondern vielleicht auch einen Geheimtipp für den kommenden Skitag.

FACTS & TIPPS

Rund 700 Kilometer DSV-zertifizierte -Loipen, einheitliche Beschilderung, Klassifizierung der Loipen: blau (leicht), rot (mittel) und schwarz (schwer)

Highlights

• Thurnerspur St. Märgen 


15 km Rundloipe (rot, Skating und Klassik, abkürzbar auf 8, 10, 12 km), beheizte Blockhütte am Start- und Zielpunkt, Flutlichtstrecke, Schneetelefon: 07669/1020

www.thurnerspur.de

• Nordic-Center Notschrei

Nordic-Arena mit Biathlonanlage, Loipenzentrum, Loipenhaus, Nordic-Schule

www.nordic-center-notschrei.de

• Fernskiwanderweg Schonach–Belchen

13 Etappen, 100 km, 2.300 Höhenmeter

www.fernskiwanderweg.de
 /#fernskiwanderweg

Anreise

Über die A5 bis Freiburg, dann über die B31 durchs Hölltal in die Hochschwarzwald-Region, aus östlicher Richtung über die A81, von Geisingen führt die B31 bis Titisee-Neustadt. Das öffentliche Nah-verkehrsnetz mit Zug- und Busverbindungen ist gut ausgebaut. Gäste erhalten in -vielen Orten im Schwarzwald die -KONUS-Gästekarte, mit der sich der ÖPNV gratis nutzen lässt.

Infos 
Auf www.hochschwarzwald.de/Langlauf gibt es einen Tourenfinder, der zu allen Strecken detaillierte Informationen (Kilometer-, Höhenmeter- und Zeitangaben sowie präzise Streckenprofile) bietet.

Der Pocketguide Langlauf mit 31 Tourentipps und allen relevanten Infos und -Adressen rund um Langlauf in der Region kann unter www.hochschwarzwald.de/-Prospektbestellung angefordert oder -heruntergeladen werden.

Der Beitrag ist erschienen in nordic sports 4/18.

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