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HANGAUFWÄRTS IN DEN HIMMEL

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Wohnen im Wald: Wie ein weißes Korallenriff ragen die Häuser aus den Nadelbäumen.
© Gasteinertal Tourismus GmbH

Bad Gastein im Nationalpark Hohe Tauern im österreichischen Bundesland Salzburg ist ein Kleinod für Skilangläufer – mit wenig Trubel, feinen Spuren und delikatem Rahmen­programm. nordic sports war vor Ort.

Text: Timo Dillenberger

Es gibt definitiv schneesicherere Orte als das Gasteiner Tal, es gibt auch etliche wesentlich größere Loipennetze als dort, es gibt Orte, an denen deutlich mehr los ist, man kann anderswo auch bestimmt billiger sein Langlaufurlaub verbringen, aber: Unser Aufenthalt in Bad Gastein zur ersten Testwoche in dieser Saison ist trotzdem nachhaltig in Erinnerung geblieben.

Allein die Anfahrt aus Richtung Norden in das Gasteiner Tal ist aufregend, teilweise so steil, als läge man wie beim Raketenstart auf dem Rücken und nähme Kurs auf den blauen Himmel. Wer aus Versehen in Dorfgastein oder Bad Hofgastein landet, keine Sorge, die Gemeinden liegen dicht nebeneinander und profitieren gegenseitig von ihrem Angebot an Pisten, Loipen, Unterkünften und Freizeitangeboten. In Bad Gastein befindet man sich erst dann, wenn quer durch den Ort ein 350 Meter langer Wasserfall braust und damit auch das Ende des Tals markiert. Über etliche Tausend Jahre hat der die Schneise ins Gestein gefräst, in die die Gasteiner dann ihre Häuser gebaut oder besser gehängt haben. Prunkvolle Bauten scheinen wie die Nester einer Vogelkolonie in den Hang geklebt. Im gesamten Dort gibt es vielleicht 150 Meter waagerechte Straßen, ordentliche Winterreifen und eine funktionierende Handbremse sind hier elementar! Die gepflegten Gebäude, die sich wie die Tribünen eines Amphitheaters rechts und links an dem allgegenwärtigen Wasserfall angliedern, ermöglichen die unterschiedlichsten Perspektiven. Von einer der herrschaftlichen Terrassen blickt man bei Tag hinab und bekommt fast den Eindruck, man schwebe im Ballon über das Tal, so steil, hoch und direkt ist die Perspektive. Ein Gefühl von Freiheit stellt sich ein. Ganz anders die Sicht vom Tal aus – hat man sich durch etliche Windungen, Gassen und Plateaus ganz nach unten geschraubt und wendet sich um, überkommt einem blanke Ehrfurcht und ein fast kindliches Gefühl von Geborgenheit. Wer nicht nur großartige Eindrücke, sondern auch spektakuläre Fotos mit nach Hause bringen möchte, sollte sich hier nach Sonnenuntergang einfinden. Wenn der Himmel von blau nach schwarz verläuft und nur noch die Schneeflächen auf den Hängen rund um Stubner-, Grau- und Kreuzkogel zu erkennen sind, erstrahlen die beleuchteten Fenster von der Hütte im Tal bis zum obersten Fenster des Grand Hotels wie ein gewaltiges, statisches Feuerwerk oder die Skyline einer Großstadt, dabei hat Bad Gastein „nur“ gut 4.000 Einwohner. Wegen dieses Anblicks und nicht zuletzt der Serpentinen, die das Dorf durchziehen, nennt man Bad Gastein auch gerne das Monte Carlo der Alpen.

Zweite Etage: Langlauf

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Wenn einen die Schattenkante vor sich hertreibt, weiß man: Es ist Zeit für die letzte Runde.
© Timo Dillenberger

Wenn es eben hieß, der Wasserfall beende das Tal, gilt das zwar für die Besiedlung, für den Langläufer führt eine Seitenader aber erst ins totale Glück. Rechts und links des Gasteiner Gemeindedrillings führen zwar Loipen direkt an den Unterkünften vorbei, der wahre Weg in den Langläuferhimmel führt aber nochmal über 600 Höhenmeter entlang einer Mautstraße nach Sportgastein. Aus der Tunnelröhre blitzte sie uns schon entgegen, die Schüssel voll Sonne. Die kleine Hochebene ist umgeben von Felszipfeln, darin halbwegs geschützt vor dem Föhnwind einer der vielleicht feinsten und schönsten Naturschnees des Kontinents. Dazu wirkt die weiße Mulde wie ein Sonnenkollektor. Trotz knapp 1.600 Metern Höhe konnte man Jacke und Überhose getrost im Auto lassen. Der präparierte Parcours windet sich über das sonnige Feld, schwingt mal kurze Anstiege hinauf, umrundet gekonnt kleine Flussläufe, gibt weite und lange Geraden frei, die sich am Ende des Kessels dann an den beginnenden Felswänden in andere Richtungen brechen. Laut Karte sind die längsten Schleifen „nur“ für die klassische Technik gespurt, bei unserem Test herrschte aber völlige Gleichberechtigung der Stilarten mit voller Arbeitsbreite der Pistenraupe.

Mit unter zehn Kilometern gehört das Loipennetz eher zu den „Verlierern“ des allgemeinen Wettrüstens, wenn es um schiere Größe geht. Auch gefürchtete Anstiege und waghalsige Abfahrten gibt es hier oben nicht, die Wände des Kessels gehören schon den Alpinisten. Aber gerade für die ersten hundert Kilometer im Jahr oder ganz besonders Anfänger stellt die gemäßigte Kombi aus kleinen Dellen und leicht geneigten Ebenen genau das dar, was man braucht. Ganz ehrlich: Für die ersten Stockschübe der Saison hätte es zum konsequenten Testen kaum mehr sein dürfen. Die Höhenluft ist mit der über 2.000 Metern zwar nicht zu vergleichen, für uns Vorgebirgs-Athleten, die über das Jahr aber gerade mal zehn Stockwerke höher als das Meer leben, reicht Sportgastein allemal, um ordentlich ans Pumpen zu kommen. Und wenn: Im historischen und fein renovierten Valeriehaus gleich neben dem Knotenpunkt der verschiedenen Langlaufspuren und einen Steinwurf vom Parkplatz entfernt, lässt sich gemütlich durchatmen, und die „Kasnocken“ geben genug Energie für die nächsten 20 Kilometer. Wer statt 20 noch 200 Kilometer laufen will, gönnt sich hintendrauf noch den berühmten Nougat-Mohnknödel mit Zimt-Vanille-Zabayone. Dieser köstliche Anschlag auf den Blutzuckerspiegel gehört in diesem Jahr zu den ausgewählten, sogenannten „Gasteiner Skihauben“-Gerichten.

Essenswertes über Bad Gastein

Wer aus Bad Gastein und Umgebung mit einer negativen Kalorienbilanz abreist, hat etwas falsch gemacht. So schön die Sportangebote mit und ohne Ski auch seien, kulinarisch kann der Kurort absolut mithalten! Jedes Jahr kreieren sieben „Haubenköche“, also Meister ihres Fachs, je ein absolutes Premiumgericht für eine der Hütten im Umland. Wer eine Woche bleibt, hat also sozusagen jeden Abend schon etwas vor, denn jedes dieser Bonbons gibt es auf einer anderen Hütte und nur da! Und bei maximal 15 Euro pro „Haubengericht“ bleibt auch noch was im Beutel für den ein oder anderen Zirbenlikör oder Enzianschnaps. Oder: Man mag es eine Spur weniger rustikal und beschreitet virtuell die „Via Culinaria“. Diese gedachte Route verbindet ein Dutzend Gourmetlokale im Salzburger Land, die speziell wegen ihrer Regionalität und der hohen Produktstandards ausgewählt wurden. Kochtechnisch können Brötchen und Brezel da normalerweise nicht mithalten, es kommt aber darauf an, wo und wann man sie genießt! Unmittelbar vor Sonnenaufgang quasi neben dem Gipfelkreuz des Kreuzkogels mit einem Rundumblick über die Hohen Tauern wird auch ein Frühstücksei zur Delikatesse. Dieses zweifach atemberaubende Angebot inklusive Bergführer ist über das Tourismusbüro Gasteinertal buchbar.

Und wenn man schon so früh so herrlich über Sportgastein thront, sollte man das auch gleich zu einer Runde auf Skiern oder auch nur zu Fuß ausnutzen, denn das sei bei allen Lobeshymnen auf diese Sonnenterrasse des Tals gesagt: Als Gasteiner Gast sollte man Frühaufsteher sein. Die eben noch so gelobten Lagen in den Kesseln oder an den steilen Felswänden haben einen Nachteil: Spätestens um vier winkt die Sonne über dem westlichen Kamm zum Abschied, ab dann liegt sogar der Gegenhang im Schatten. Und dann verhält sich auch das Thermometer, wie man es in alpiner Höhenlage gewohnt ist. Es wird schattig kalt!

Dampf machen

Dagegen hilft nur ein gut geplanter Tag. Morgens geht man zeitig in die Spur. Dann mit den letzten Sonnenstrahlen den Berg verlassen (man kann übrigens sogar in der Valerie-Hütte gastieren) und mit dem hereinbrechenden Temperatursturz in eines der vielen Spas einfallen. Bad Gastein trägt den Titel als Kurort mit Stolz und mit Recht. Die Dichte an mit Saunen und Dampfbädern top ausgestatteten ­Hotels ist beeindruckend. Das Prunkstück „Alpentherme“ nimmt fast ein Drittel der Fläche von Bad Hofgastein ein. In vier Thermenwelten gibt es zwischen Dampf und Schnee alles, was die hiesige Thermalquelle hergibt. Das Wasser spielt allgemein eine große Rolle, wenn es um das Wohl der Gäste geht. Der Wasserfall und sein Spray „ionisieren“ die Luft im Kurort, das soll laut einigen Studien genauso ­einen ebensolchen entzündungshemmenden Einfluss haben wie das mit viel natürlichem Radon angereicherte Wasser im Gasteiner Heilstollen oder dem Dunstbad.

Unser Fazit

Apropos warme Luft: Die ist quasi der einzige Grund, weshalb wir nicht gleich da geblieben sind. Der unberechenbare Föhn zieht sowohl den Dörfern als auch der Hochebene ab und zu wieder das weiße Mützchen vom Kopf. Wer also auf ein knallhartes, vorwinterliches Trainingslager spekuliert, könnte in Bad Gastein auch mal Pech haben. Für kurzfristige Wochenend-touren, Genießer, Gelegenheitslangläufer sowie Wellness-Fans ist der charmante Belle Époque-Ort ein Hammerziel!

Gasteinertal: Tipps & Fakten

Bad Gastein gehört zum Nationalpark Hohe Tauern, liegt 1.002 Meter über NN, gehört zum Salzburger Land.

Höhenloipe Sportgastein öffnet meist Anfang November bis in den April. Maut zum Skigebiet: 5,50 Euro p. P.

Weitere Langlaufhighlights: flutlichtbeleuchtete Loipe im Kurpark von Bad Hofgastein, eher abseits und sehr -ruhig gelegene Loipe im Angertal.

Top-Tipp: Vom Gastgeber die kostenlose „Gastein Card“ ausstellen lassen: kostenlose Nutzung der Loipen im Tal, viele kostenlose Angebote, Vergünstigungen bei den meisten Eintritten und Nahverkehrsfahrten!

Kulinarik-Tipp I: Salzburger Nockerl der zweifachen Norckerl-Weltmeisterin Elfi Berti beim Feng-Shui--Restaurant Unterbergerwirt in Dorfgastein.

Kulinarik-Tipp II: Bio-Weißbier von der ersten und einzigen Bio-Weißbier-Brauerei Österreichs beim Schmaranz Bräu; dazu gehört auf jeden Fall Rindfleisch aus der eigenen Zucht.

Kulinarik-Tipp III: Kaffee und Zimtschnecke auf schwedische Art im „The Blonde Beans“ in Bad Gastein.

Hilfe beim großen Höhenunterschied im Ort: der Parkhauslift zum Bahnhof.

Details zu den Spas unter www.alpentherme.com, www.felsentherme.com, www.gasteiner-heilstollen.com

Mehr Infos und alle Adressen unter:
www.gastein.com

Der Artikel ist erschienen in nordic sports 1/18.

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Zauberhafte Ansicht: Das nächtliche Bad Gastein.
© Gasteinertal Tourismus GmbH

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