Im Winterrausch: Von Skandinavien auf die Schwäbische Alb

Die Schwäbische Alb bietet neben atemberaubenden Winterlandschaften viele ­Freizeitmöglichkeiten fernab des Massentourismus.

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Zum Schwärmen: Die Schwäbische Alb mit ihren atemberaubenden Höhen und Tälern.

Dazu zählt neben Langlaufen auch das trendige Skijöring, bei dem es mit Pferdeantrieb über die Pisten geht.

Text Carolin Müller

Bei frostigen Temperaturen fühlt sich Dishna erst richtig wohl. Die Vollblut-Araberstute galoppiert durch den Schnee, der die Felder rund um Meidelstetten bedeckt. Andere fahren jetzt Schlitten, vergnügen sich auf den Skipisten oder gleiten beim Langlauf durch die stille Winterlandschaft der Schwäbischen Alb. Willi Wolf aber sitzt im Sattel, und hinter Dishna hängt ein Skifahrer am Schleppseil. Vor mehreren Jahren hat Willi Wolf, der in Meidelstetten eine Pferdeschule betreibt, das Skijöring für sich entdeckt.

Der Sport, der ursprünglich aus Skandinavien kommt, ist ein bisschen wie Wasser­skifahren auf Schnee mit Pferd. Eigentlich braucht man dazu nicht viel: einen versierten Reiter und einen Skifahrer, der mit den Brettern vertraut ist und einen Helm mit Visier trägt. Denn wenn Dishna richtig Gas gibt, bleibt es nicht aus, dass Schnee- und Eisbrocken durch die Luft fliegen. Das A und O ist natürlich das Pferd, das, so wie Dishna, nicht nur gute Nerven, sondern auch Kondition haben sollte: „Wer durch den tiefen Schnee laufen muss, braucht eine gute Pus­te“, sagt Willi Wolf. Eine, maximal zwei Stunden dauert eine Skijöring-Tour. Und zwar nicht, weil dann das Pferd nicht mehr könnte: „Normalerweise ist der Skifahrer derjenige, der Halt schreit“, schmunzelt Willi Wolf. Sich am Schleppseil festzuhalten, das am anderen Ende um den Sattelknauf geschwungen wird, geht ganz schön in die Arme. Und natürlich braucht man den passenden Untergrund: Mindestens so viel Schnee, „dass die Maulwurfshaufen nicht mehr rausschauen“, sagt Willi Wolf. Wer zum Skijöring kommen will, sollte des­halb spontan sein: Wenn Schnee- und Wetterlage passen, können kurzfristig Termine vereinbart werden.

Fernab vom Massentourismus

Als Mittelgebirge ist die Schwäbische Alb zwar nicht so schneesicher wie die Alpen. Dafür punktet sie fernab von Trubel und Massentourismus mit Skiliften und reiz­vol­len Pisten über naturbelassene Geländeprofile und ist daher auch für alle, die beim klassischen Wintersport bleiben wollen, ein lohnendes Reiseziel. Nach Einbruch der Dämmerung sorgt Flutlicht für stimmungsvolle Abfahrten durch verschneite Wälder. Vor allem für Familien mit Kindern bietet die Region in der kalten Jahreszeit viele Freizeitmöglichkeiten. An den meisten Skiliften auf der mittleren Alb werden regelmäßig Skikurse angeboten. Die übersichtlichen und leicht zu bewältigenden Abfahrten sind für Anfänger bestens geeignet. Wer ohne Bretter durch den Schnee gleiten will, findet viele Hänge, die sich wunderbar für eine Schlittenfahrt eignen. Teilweise gibt es auch Rodelpisten direkt am Skilift – beispielsweise am „Beiwald“ in St. Johann-Upfingen.

Im Prinzip kann sich jeder, der Ski oder Snowboard fahren kann, im Skijöring versuchen. Um Hochleistungssport geht es bei Willi Wolf nicht – auch wenn die Sportart in ihrer ursprünglichen Form durchaus als Wettkampf zu sehen ist. „Ein Rennen geht über 600 Meter im Oval, gestartet wird in der Masse oder einzeln“, erzählt Willi Wolf. Vor einigen Jahren las der Mann, der in der Region als „Cowboy von der Schwäbischen Alb“ bekannt ist, in der Zeitung vom Skijöring im eidgenössischen St. Moritz. Damit kam der Pferde-Wintersport auf die Schwäbische Alb. Wolf und seine Mitstreiter richteten im Februar 2005 das erste Event aus – auf einer Wiese des Haupt- und Landgestüts Marbach im Lautertal.

Genusstour statt Wettkampf

Die kurzen, schnellen Rennen sind zweifellos spektakulär. Darauf kommt es Willi Wolf allerdings weniger an als auf den Spaß, den die Kombination „Reiter plus Pferd plus Skifahrer“ bringt. Wer ihn auf seinem Pferdehof am Ortsrand von Meidelstetten besucht, kommt hierher, weil er genießen will. Den Sport, den Winter, die Landschaft, die Atmosphäre. „Ich habe mir für die Skijöring-Touren nicht den Wettkampfsport, sondern das Wanderreiten zum Vorbild genommen“, sagt Willi Wolf. Dementsprechend hat die ausgedehnte Ski­jöring-Tour verschiedene Etappen. Solche, auf denen man einfach nur den Blick auf winterliche Wälder richten und deren Ruhe genießen kann. Und andere, auf denen das Pferd „mal so richtig Stoff geben kann“.

Die landschaftlichen Reize der Alb lassen sich natürlich auch ohne Pferd entdecken: im Sommer bei einer Wanderung oder Radtour, im Winter beim Langlauf. Die Gemeinden und Vereine spuren Loipen für klassische Langläufer und Skater für alle Ansprüche – von der gemütlichen Genusstour bis hin zur sportlichen Variante. Wer eine Alternative zum klassischen Winterspaziergang und zum Langlauf ausprobieren möchte, sollte unbedingt eine Schneeschuhwanderung buchen. Auf ungeräumten, verschneiten Wegen zeigen Landschaftsführer ihren Gruppen die schönsten Seiten des Winters – bei Tag und auch bei Nacht.

Ein Skiurlaub wäre kein richtiger Urlaub ohne einen gemütlichen Ausklang. Schwäbische Köstlichkeiten in den Restaurants, Gasthäusern und familiengeführten Hotels stärken für den nächsten Tag. Und wem der Sinn nach Wellness steht? Ein Besuch im Thermalbad, beispielsweise in Bad Urach, krönt jeden Ski-Tag – und wirkt, wenn der Muskelkater droht, wahre Wunder.

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Kreuz und quer: Langlaufen auf freiem Feld ist das Gebot der weitläufigen Region. Fotos: IMAGO, PR

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: nordic sports Nr. 01 / 2014

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