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Behalten Sie Ihre
 Ziele im Blick!

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Am Schießstand sollten für Biathleten die Handlungsziele, wie Bewegungsabläufe und Atmung, im Vordergrund stehen.
© getty images

Eine gute Platzierung, eine gute Laufzeit, vielleicht auch noch Spaß dabei haben – das nehmen sich viele für den Wettkampf vor. Und stellen dann oft fest, dass sie nichts davon realisieren können. Wer solche Enttäuschungen vermeiden will, sollte sich intensiver mit seiner Zielsetzung befassen.

Text: Wolfgang Seidl

Sie wollen demnächst einige Wettkämpfe bestreiten und dabei eine gute Figur machen? Ein gutes Vorhaben, aber so formuliert, klingt das für mich als Mentalcoach viel zu vage, zu wenig konkret. Wer die Sache so angeht, sollte noch mal an seiner Zielsetzung arbeiten. Denn die richtige Zielsetzung ist elementar, um erfolgreich zu sein. Aber sie ist auch komplexer, als man zunächst denken könnte. Als Erstes sollte sie in drei Zielarten unterteilt werden: Handlungsziele, Leistungsziele und das Ergebnisziel.

Nehmen wir einen Biathleten am Schießstand. Dieser hat nicht nur ein Ergebnisziel – die Scheibe treffen –, sondern auch Leistungsziele, zum Beispiel, alle fünf zu treffen, und das möglichst schnell. Dabei sollte er auch konkrete Handlungsziele definieren, unter anderem Bewegungsabläufe, Atmung etc., die ihn dabei unterstützen, seine Leistungs- und Ergebnisziele zu erreichen. Also, schauen wir uns die drei Zielarten im Einzelnen an.

1. Das Ergebnisziel

Das Ergebnisziel gibt die Richtung vor und hat ­gro­ßen Einfluss auf Ihre Motivation. Es kann Ihre Anstrengungs- und Durchhaltebereitschaft, im Training wie im Wettkampf, erhöhen. Wichtig ist dabei eine realistische Zielsetzung. Unrealistisch hohe Ziele können Stress und Versagensängste auslösen und Ihre Konzentration auf die sportliche Handlung empfindlich stören. Weiter ist auch wichtig, sich dessen bewusst zu sein, dass ­Ergebnisziele beziehungsweise deren Realisierbarkeit auch von anderen Sportlern abhängig sind. Sie wissen nie, welche Konkurrenz am Start ist. Deswegen sollten Sie sich zusätzlich auch Leistungs- und Handlungsziele setzen.

2. Die Leistungsziele

Mit Leistungszielen definieren Sie die Leis­tungsparameter, die nur von Ihnen abhängig sind. Sie könnten sich für die Saison zum Beispiel vornehmen, ihre Zehn-Kilometer-Zeit auf einer bestimmten Strecke um x Prozent oder Sekunden zu verbessern. Im Rennen selbst könnte ein Leis­tungsziel eine ­definierte Zielzeit sein. Leis­tungsziele sind für Ihre stetige Leis­tungsentwicklung sehr wichtig. Sie zeigen Ihre Fortschritte an.

3. Die Handlungsziele

Handlungsziele beschreiben, wie Sie Ihre Leistungs- und Ergebnisziele erreichen. Sie leiten Ihre Aufmerksamkeit auf den überschaubaren Bereich Ihrer Aufgabe im Hier und Jetzt. Sie unterstützen Sie, damit Sie im jeweiligen Moment das Optimale aus sich herausholen können. Beispiel: Konzentration auf den Armschwung oder die Körperhaltung. Handlungsziele unterstützen Sie auch, negative Gedanken zu unterbinden, weil Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Handlung lenken.

Sportler sind oft zu sehr ergebnisorientiert. Dadurch setzen sie sich unter Druck und vergessen, dass es die Handlungen sind, die sie ans Ziel bringen. Wie beim Biathleten, der sich auf seinen Bewegungsablauf (= Handlungsziel) konzentrieren muss, um die Scheibe zu treffen.

Meine Empfehlung an Sie vor einem Wettkampf: Fokussieren Sie sich auf den Prozess, nicht auf das Ergebnis. Mentales Training kann Sportler bei ihrer individuellen Zielsetzung unterstützen.

Wolfgang Seidl ist selbstständiger akademischer Mentalcoach und HeartMath®-Coach. Als Leistungssportler war er unter anderem mehrfacher Finisher in Ironman- und Ironman-70.3-Wettkämpfen. Als Mentalcoach betreut er Einzelsportler, stressgeplagte Menschen sowie ­Unternehmen. Unter anderem ist er Mentalcoach der österreichischen Trailrunning-­Nationalmannschaft. www.mana4you.at

Der Beitrag stammt aus der Ausgabe 1/2020

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