Langlaufen bei jedem Wetter: Null Widerstand

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Mit Gefühl: Das Einarbeiten des Fluorpulvers in die strukturierte Oberfläche erfordert etwas Geduld und Geschick.

Die Skier selbst zu wachsen, ist nicht nur üblicher, sondern auch einfacher geworden. Nur bei Mischwetter tun sich viele schwer.

Tipps vom Nordic-Wachsexperten und Rennsport-Leiter der Firma Holmenkol, Thomas Burmann, sollen hier helfen.

Text Hubert Fehr Fotos Fischer, Holmenkol

Bei den meisten Schneebedingungen ist die Präparation der Ski dank immer besserer Hightech-Beläge und für den Läufer immer einfacher anzuwendender Wachse völlig unproblematisch. Einige Bedingungen wie Lufttemperaturen um null Grad Celsius und fallender Schnee bleiben aber schwierig. Für solche Situationen und auch für die grundsätzliche Vorbereitung der Ski präsentiert nordic sports die Ratschläge von Profi und Experte Thomas Burmann.

Einige allgemeine Empfehlungen vorneweg: „Die Wachs-Hersteller geben recht exakte Angaben für die Anwendungsbereiche ihrer Produkte,“ erklärt der erfahrene Rennsportleiter. „Nutzen Sie deren reichhaltige Erfahrung und vertrauen Sie ihrer Empfehlung!“

Die handwerklichen Basistechniken müssen geübt und beherrscht sein. „Gutes Handwerk“ ist die Voraussetzung für den Lauferfolg! Mit der Praxis kommt Erfahrung, mit Erfahrung dann die Perfektion. Wichtig: Beherrschen Sie ihre Wachskiste, schreiben Sie sich auf, unter welchen Bedingungen welche Wachse und Techniken gut funktionierten. Mit der Zeit entsteht dann die ganz persönliche „Wachs-Bibel“.

1. Schliffe

Die Schliffpräparation der Langlaufski ist das große Thema, nicht nur im Weltcup, sondern auch bei ambitionierten Volksläufern. Auf Langlauf spezialisierte Sportgeschäfte beweisen ihre Kompetenz bei der Erneuerung der Schliffe oder beim Aufbringen spezieller Schliffe. Dazu liefern die Hersteller der Schleifmaschinen spezialisierte Schleifautomaten für die Präparation der Langlaufski, besonders der Skating-Ski. Die computergesteuerten Maschinen machen reproduzierbare Schliffe möglich, der früher herrschende Zufall bei den Schliffen ist weitgehend ausgeschaltet. Das professionelle Herrichten der Ski gewinnt immer mehr Interessenten, zumal die Kos­ten mit 30 bis 50 Euro im Vergleich zum möglichen Geschwindigkeitsgewinn gering ausfallen.

Mit einem Handstrukturgerät kann die Belagsstruktur auch nach dem kompletten Wachsvorgang noch kurzfristig den Bedingungen angepasst werden. Thomas Burmann betont, dass die Ski nach dem Schleifen immer ausgetestet werden müssen. Nicht jeder Schliff passt zu jedem Ski. Bevor die Bretter nach dem Schliff für den Test gelaufen werden, müssen sie wieder mit Wachs eingelassen werden.

2. Nassschneeski grundpräparieren

Damit die Ski unter diesen Bedingungen gut funktionieren, brauchen sie eine scharfe Struktur. Das gilt besonders für die Skater, grundsätzlich aber auch für die Klassik-Modelle. Nur dann liefern sie Geschwindigkeit und kleben nicht auf dem Nassschnee. Achtung: Um die Struktur längerfristig zu erhalten, sollten die so präparierten Ski auch nur bei diesen Bedingungen gelaufen werden!

Die erste Präparation ist wichtig für die tiefe Durchdringung des Skibelages mit Wachs. Nassschnee-Ski mit weicherem Wachs nur einmal grundpräparieren, damit die Struktur erhalten bleibt.

Das Wachs nach dem Aufbügeln mit einer scharfen Plastikklinge in Laufrichtung abziehen. Den Ski in Laufrichtung mit einer Bronzebürste ausbürsten.

3. Methode bei sehr nass-schmutzigen Verhältnissen

Extra hartes Grundparaffin als Basis einbügeln. Dieses Wachs nimmt weniger Schmutz auf.

Als zweite Schicht hochfluoriniertes Paraffin einbügeln.

Die dritte Schicht ist eine Fluorpulver-Beschichtung. Entweder einbügeln oder mit der Kork- bzw. Fleece-Rolle bei maximal 1.200 U/min mit leichtem Andruck einarbeiten.

Alle Schichten sorgfältig ausbürsten: Paraffin mit einer Kupfer- oder Stahlbürste, Pulver mit einer Rosshaarbürste. Das Finish, das die Struktur freilegt, erfolgt mit einer Micro-Stahlbürste.

Thomas Burmann empfiehlt die Handbürsten, damit lassen sich wesentlich bessere Ergebnisse erzielen. Nach der Arbeit die Bürsten reinigen, indem sie in den Schnee gesteckt und dann gegeneinander ausgebürstet werden. Oder mit einem Staubsauger die Wachsreste aus der Bürste saugen.

Bei sehr nassen Verhältnissen besser mit einem Handstrukturiergerät nacharbeiten.

4. Wachs-Fuge genau bestimmen

Nur wenn die Wachs-Fuge beim Klassik-Ski (die Zone, in der das Steigwachs aufgebracht wird) ganz genau ausgemessen wird, erzielt man sowohl einen guten Gleiteffekt als auch die Voraussetzung für einen guten Abstoß.

Für die traditionelle Papiertest-Methode benötigt man eine völlig plane und feste Unterlage. Ein Blatt Papier einmal falten, unter die Steigzone legen und beide Ski gleichmäßig belasten. Eine zweite Person zieht das Blatt in Richtung Skispitze. Stoppt das Blatt, erhält man die Markierung für Grip-Wachse im vorderen Bereich. Gleiches gilt für den hinteren Bereich. Sollte sich das Blatt weiter als das Fersenende bewegen lassen, endet die Steigzone in jedem Fall am Fersenende. Für die Markierung der Klisterzone wird das Blatt zweimal gefaltet, ansonsten wie zuvor verfahren. Die Zonen mit wasserfestem Stift fixieren. Der Ski kann auch mit einem Messgerät ausgemessen werden und so die Wachs-Fuge festgelegt werden.

5. Abdecken

Bedingungen wie vereiste Loipen oder fester Kunstschnee mit darüber gewehtem Flugschnee erfordern besondere Maßnahmen, damit der Ski funktioniert. Im schlechtesten Fall findet er keinen Grip oder der Ski vereist bzw. stollt. Dies ist die „hohe Schule“ der Skipräparation und erfordert sorgfältiges handwerkliches Arbeiten. Die Wachszone abkleben, damit nicht über diese Zone aufgeraut wird. Dann mit 80er Schleifpapier aufrauen.

Als Basisschicht wird eine dünne Schicht blauer Klister eingebügelt. Der Ski muss dann gut auskühlen.

Als zweite Schicht folgt eine dünne Lage violetter Klister bzw. Universal-Klister (bei Wechselschnee). Um glatte Flächen zu erzielen, diese Schicht ebenfalls einbügeln. Klister nach Möglichkeit über Nacht auskühlen lassen, dabei Laufflächen nicht in den Schnee legen, damit auf der Klisterfläche kein Schnee anhaftet.

Hartwachs (entsprechend Temperatur und Schnee auswählen) mit ganz wenig Druck auf den Klister aufreiben. Zwei bis drei Minuten warten (wichtig!), dann erst vorsichtig verkorken. Je nach Neuschneeanteil in der Spur zwei bis drei Schichten Hartwachs auftragen. Sehr sorgfältig arbeiten, damit sich Hartwachs und Klister nicht vermischen.

6. Bei Null Grad: Aufrauen, Microschliffe oder Zero-Ski

Bei schwierigen Null-Grad-Bedingungen hat auch der gewiefteste und erfahrenste Wachser im Wachskoffer schon fürchterlich danebengegriffen und mit stollendem, aneisendem oder zu spitzem Ski frustriert und neidisch dem enteilenden Schuppenskiläufer oder mit aufgerauten Ski Laufenden nachgeblickt. Im Weltcup greifen laut Thomas Burmann bei solchen Bedingungen die Serviceleute immer häufiger zum Zero- bzw. Microschliff-Ski und sehen sich damit auf der sicheren Seite. Als gute Trainings­ski-Alternative sieht er auch den Atomic-Fellstreifenski, der fast keinen Präparationsaufwand erfordert.

Auch für die Erzeugung dieser Abstoßmethode muss die Abstoßzone wie oben ausgemessen werden. Das gilt auch für die Zero-Grad-Ski, in deren Belag eine meist farblich abgesetzte Abstoßzone eingefügt wurde.

Das Aufrauen der Steigzone mit Sandpapier oder einer feinen Raspel bzw. mit dem Winkelschleifer ist schon seit den 1980er Jahren eine effektive Methode, um bei fallendem, nassem Schnee Grip zu haben, ohne dass der Ski dabei vereist. Mit 80er Schleifpapier den Belag aufschmirgeln. Den Schleifstaub entfernen. Dann mit Silikonspray gegen Vereisen schützen. Für bessere Gleit­ergebnisse das Silikon einige Stunden vor dem Start aufbringen. Für den Wettkampf liefern teilweise sehr teure Anti-Vereisungssprays einen schnelleren Ski.

Das Aufschleifen der Zero-Grad-Ski geschieht nach den Vorschriften der Hersteller. Für die plastischeren, mit Gummi-Partikeln dotierten Beläge empfiehlt Thomas Burmann feineres 100er bzw. 120er Schleifpapier.

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Nicht „verwachsen“ bei Null Grad: Mit der Raspel kann die Steigzone auch dann aufgeraut werden, wenn keine Steckdose greifbar ist, wie etwa beim Wettkampf.

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