So werden Sie ein Top-Wettkämpfer

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Der Kanadier Alex Harvey, inzwischen zurückgetreten, war nach dem Rennen oft locker drauf. Aber er fand vielfach auch im Wettkampf das passende Anspannungslevel, wie seine zwei WM-Titel zeigen.
© Getty Images

Die perfekte Balance zwischen Lockerheit und Fokussierung ist das Geheimnis der größten sportlichen Erfolge. Mentales Training kann dabei helfen, diesen für die Leistung optimalen Zustand anzusteuern.

Wie schaffen es erfolgreiche Sportler, im entscheidenden Moment ihre beste Leistung abzurufen? Sei es bei Olympia, bei Weltmeisterschaften oder anderen wichtigen Wettkämpfen. Klar, eine optimale körperliche Vorbereitung ist die Voraussetzung. Daneben aber haben sich die erfolgreichsten Athleten die notwendigen mentalen Fertigkeiten angeeignet, um ihren Anspannungsgrad bewusst zu steuern und dadurch in die Zone ihrer optimalen Leistungsfähigkeit zu gelangen. Diese ist gekennzeichnet durch eine Leichtigkeit des Handelns, viele sprechen auch vom sogenannten Flow-Gefühl.

Das aber ist einfacher gesagt als getan. Für die meisten Sportler ist es relativ einfach, diesen optimalen Zustand im Training zu erreichen. Doch gerade im Ernstfall, wenn es darum geht, die Früchte der täglichen Schufterei zu ernten und sie in Siege und Titel umzumünzen, verkrampfen viele. Wenn die Erwartungshaltung und der Druck steigen, weichen sie von der zuvor festgelegten Strategie ab und können ihre Leistung nicht mehr abrufen. Tragisch! Und in den meisten Fällen vermeidbar – mit mentalem Training.

Nach dem Yerkes-Dodson-Gesetz passt zu jeder Anforderung ein optimaler Grad an Anspannung. Mentales Training unterstützt Athleten mit Übungen, in ihrer optimalen Zone bewusst anzukommen. Dazu zählen zum Beispiel Atemtechniken oder Selbstgespräche, um den Anspannungsgrad zu reduzieren, oder Aktivierungstechniken, um den Erregungsgrad zu erhöhen. Denn zu geringe Anspannung ist ebenso leistungshindernd wie eine zu hohe Anspannung. Erfolgreiche Sportler haben sich entsprechende Vorstartroutinen zurechtgelegt, um schon an der Startlinie aus diesem guten Zustand heraus agieren zu können.

Sehr hilfreich beim Ausmachen der individuellen Zone ist die Biofeedback-Messung. Die Athleten bekommen dadurch ein Gefühl für ihren Aktivierungszustand und können durch erlernte Maßnahmen am PC beobachten, wie sie diesen Zustand bewusst beeinflussen können.

In den wenigsten Fällen verbleiben Athleten ausschließlich in der optimalen Zone. Während eines Wettkampfes kommen Sportler meist mit allen drei Bereichen in Kontakt. Phasen der Überaktivierung einerseits und Phasen zu geringer Aktivierung andererseits kommen fast bei jedem vor. Aber: Mental starke Athleten schaffen es immer wieder, in ihre optimale Zone zurückzukehren.

„Problemzonen“

Die sprichwörtlichen „Trainingsweltmeister“ sind Athleten, die im Wettkampf oft versagen und ihr Leistungspotenzial nicht abrufen können. Sie rutschen dann in die Zone der Überaktivierung. Diese ist gekennzeichnet durch eine zu hohe Muskelanspannung sowie innere Anspannung. Mit einfachen mentalen Techniken kann der Anspannungsgrad reduziert werden - so kann sich der Sportler zum Beispiel beruhigen, indem er den Fokus auf die Atmung legt oder positive Selbstgespräche führt. Dann kann er wieder klare Gedanken fassen und die richtigen Entscheidungen treffen.

Es gibt auf der anderen Seite aber auch Sportler, die lustlos in ein Rennen gehen, den Wettkampf nicht ernst genug nehmen oder durch Versagensängste in einen Blockade-Zustand geraten. Auch Rückschläge im Wettkampf selbst, wenn ein Langläufer zum Beispiel durch einen Stockbruch den Anschluss verliert, können einen Athleten blockieren und in einen Zustand einer zu geringen Aktivierung gelangen lassen. Auch hier helfen mentale Übungen dabei, diesen Bereich wieder zu verlassen.

Die Aufgabe eines Mentalcoaches ist es, Sportler mental so zu stärken, dass sie auch in den schwierigsten Phasen eines Wettkampfes bewusst in ihre optimale Leistungszone finden.

nordic sports-Experte Wolfgang Seidl ist selbstständiger akademischer Mentalcoach und HeartMath®-Coach mit zwei Standorten in Österreich. Als Leistungssportler war er mehrfacher Finisher in Ironman- und Iroman-70.3-Wettkämpfen, bei Marathon-Läufen und Mountainbike-Etappenrennen. Zudem bringt Seidl langjährige Wirtschaftserfahrung mit. Als Mentalcoach betreut er Einzelsportler, stressgeplagte Menschen sowie Unternehmen. Unter anderem ist er Mentalcoach von IRONMAN Austria und der Österreichischen Trailrunning-Nationalmannschaft. Er bietet seine Beratungen auch online via Skype an. www.mana4you.at

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