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SKI@LETICS - Fitness-Programm nach Langlauf-Art

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„Gruppentherapie“: Das einbeinige Skaten stärkt besonders das Gleichgewicht, die Beinstrecker und Adduktoren.
© Fischer Sports

Wintersport-Riese Fischer Sports ist Ausgangspunkt einer neuen Fitness­bewegung, die sich zum Trend zu entwickeln scheint: den Skiletics! Wir haben das Programm ausprobiert und mit Tanja Winterhalder von Fischer Sports ­darüber gesprochen, was die Idee hinter Ski@letics ist.

Text und Interview: Timo Dillenberger

Die Wortsymbiose aus Skilaufen und Athletics beschreibt schon ziemlich gut, um was es in dem Programm geht: seinen Körper zu stählen und zu formen, und das mit dem vielleicht schönsten und effektivsten Trainingsmittel, das die Sportwelt bisher hervorgebracht hat. Langlaufen!

Aber was hat Fischer Sports da „erfunden“, das es nicht schon gab? Prinzipiell geht es darum, neuen UND erfahrenen Mitgliedern der LL-Community nicht einfach Ski in die Spur zu legen und sie auf die Runde zu schicken. Skiletics ist eine Sammlung von Fitnessübungen, die die an sich komplexen Langlauftechniken vereinfachen, abwandeln, in Einzelkomponenten zerlegen oder sie rekombinieren, um damit isolierte Fähigkeiten zu trainieren wie an Kraftmaschinen im ­Studio. Die Laufbewegungen so zu vereinfachen, dass auch Einsteiger in den Genuss des ganzheitlichen Trainings kommen oder just, um mehr Abwechslung in den Schnee zu bringen.

Benefit

Vieles davon könnten wir uns als geübte Skilangläufer an sich schenken, mag man meinen. Uns muss man auch nicht für diesem Sport begeistern! Als sich Thomas Dirndl die Kombination aus Workout und Skilaufen ausdachte, ging es sicher auch eher drum, Leute aus den Studios in den Schnee zu ziehen. Die ersten Plakate zeigten deshalb auch demonstrativ die beeindruckend austrainierten Körper und besonders die Rumpfmuskeln von Topathleten des Sports wie Therese Johaug. Die ersten Übungsvideos waren so konzipiert, dass man an vielen Muskelgruppen und gleichzeitig an der Ausdauer arbeiten konnte, ohne lange Techniken zu lernen oder die Balance zu üben. Draufstellen, „loskeulen“ und nach kürzester Zeit jede Faser im Körper spüren. Und bei den allermeisten Lektionen funktioniert das auch genau so. Es ist hilfreich, wenn man die Gesamtbewegung vorm geistigen Auge hat, aber dafür sind ja die Videoclips auf www.skiletics.com da.

Warum aber sollten wir dann die bereits erlernten Lauftechniken „ruhen lassen“ und uns an Skiletics versuchen? Stellt man sich in ein Skigebiet und fragt jeden vorbeiziehenden Sportsfreund, was er denn heute mache, um seine Langlauf-Performance zu erhöhen, bekommt man als Antwort: „eine Runde Laufen“, „Intervalle Laufen“, vielleicht noch „eine Doppelstockeinheit ­zusätzlich“ zu hören. Vor allem an schönen Tagen würde auch niemand ­behaupten, dass ganz normales Laufen stupide oder gar langweilig sein kann, aber mit ein paar eingestreuten Übungen à la Skiletics macht man die Runde definitiv interessanter, kurzweiliger und verbessert sich ziemlich sicher, ohne den Umfang des Trainings zu erhöhen. Wodurch das geschieht, ist in­dividuell ­unterschiedlich. Dem einen tun die Gleichgewichtsübungen sehr gut, der ­andere entwickelt durch Kraftübungen plötzlich ungeahnte Fähigkeiten am Berg, und wieder einer erlernt durch einbeiniges Skaten (rechts im Bild) zum Beispiel die Abdruckphase komplett neu und wahrscheinlich besser!

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Abgestimmt auf den Fitnesstrend: Zu jeder Übung gibt es Grafiken mit den vorrangig beteiligten Muskeln.
© Fischer Sports

Das komplette System besteht aus 
den Anleitungsvideos, digitalen Karteikärtchen mit präziseren Übungsbeschreibungen ­sowie echten Trainingsanleitungen mit Dauer, Belastung, Wiederholungszahlen und Pausengestaltung, und das für drei verschiedene Leistungslevel. Alle wurden von den erfahrenen Sportwissenschaftlern und Sporttherapeuten Michael Veith und Tanja Winterhalder entwickelt und ­umgesetzt.

nordic sports-Fazit

Wir freuen uns sehr über das Engagement von Fischer für den Sport und hoffen, dass die viele Arbeit auch ihre Früchte trägt, hauptsächlich in Form von Sportlern in der Loipe, gerne aber auch in den Bestellungen bei Fischer und Co. Das Workout im Schnee haben wir am eigenen Leib erfahren und finden: Wenn Einsteiger nicht mit zu hohen Erwartungen an sich und ihre Koordination drangehen, schlägt Skiletics jedes Indoor-Workout in Sachen Spaß und Effektivität. Wer im letzten Heft den Test des ThoraxTrainers gelesen hat, sieht hier Parallelen! Vielleicht hätte man jedoch die Videoclips nicht ausschließlich mit sehr guten Läufern wie Martin ­Johnsrud Sundby, Therese Johaug und Philipp Bachl, Skimarathonläufer aus ­Österreich, drehen sollen, um Skieinsteiger nicht zu desillusionieren.

Am allermeisten macht das Programm Spaß in der Gruppe, und am besten in ­einer gemischten, wo sich Neulinge an ­Erfahrenen orientieren können. Wichtig: Auch wenn man schnell Favoriten hat, sollte man alle Übungen ins Training einbauen, um sich ganzheitlich weiterzuentwickeln. Was die Workout-Pläne angeht, darf man ruhig etwas freier vorgehen. Die Werte können trotz Leistungsklassen ­einfach nie so individuell sein. <

INTERVIEW MIT TANJA WINTERHALDER VON FISCHER SPORTS

nordic sports: Warum macht sich ein Hersteller von Skiausrüstung die Mühe, potenziellen Kunden und auch denen, die schon Equipment besitzen, Fitnessübungen zu generieren?

TANJA WINTERHALDER: Als Nummer eins im Nordischen Skisport sehen wir es als Pflicht, den Langlaufsport zu entwickeln und Impulse zu setzen, die ihm ein jüngeres und attraktiveres Image verleihen. Dadurch möchten wir das Interesse am Langlaufen steigern und dessen Zukunft sichern. Auf der einen Seite wissen wir: Langlaufen ist das perfekte Mittel, den gesamten -Körper über Arme, Beine und Rumpf zu kräftigen, hinzu kommt das Herz-Kreislauf-Training – kurzum: Es ist die ideale Fitness-Sportart. Auf der anderen Seite ist Fitness nach wie vor ein riesen Trend in der Sportartikelbranche. Leider assoziiert das nicht jeder auch gleich mit Langlaufen. Mit Skiletics wird diese Brücke geschlagen und Langlaufen zum Fitness-Trend.

Die Clips sind kostenlos, obwohl die Produktion sicher nicht kostenlos war, 
wo sieht Fischer den Benefit für sich?

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Zum schnellen Video-Zugriff: Über verschiedene QR-Codes kommen Interessenten an die Übungen.
© Fischer Sports

Mit dem angestrebten cooleren und attraktiveren Image werden aktive Langläufer -angesprochen, aber natürlich auch jede Menge neue akquiriert. Beide Gruppen werden sich früher oder später eine Ausrüstung zulegen und immer wieder aktualisieren. Natürlich geht es uns einerseits darum, am Ende Umsätze zu gene-rieren, nur ist uns gleichermaßen auch das Image der Sportart Langlauf wichtig, die tief in der Firmengeschichte verwurzelt ist und uns am Herzen liegt.

Einige der Übungen sind für jedermann sofort machbar, für ein paar sind grund-legende Skills auf Skiern hilfreich. Für wen wurde Skiletics eigentlich entworfen? 

Mit Skiletics wird jeder angesprochen, der an seiner persönlichen Fitness interessiert ist. Jeder, der entweder fit werden 
oder bleiben will. Es geht eher darum, Gefallen an einer effizienten Trainingseinheit zu haben, als darum, Kilometer oder Rennplatzierungen zu sammeln. Alle Workout-Pläne werden für Ein-steiger, Fortgeschrittene und Experten -angeboten, so dass die eigenen tech-nischen -Fähigkeiten auf Langlaufski -keine Einschränkung darstellen. Als -Einsteiger kann man mit weniger komplexen -Bewegungen anfangen und sich langsam -steigern. Wenn man bereits -Experte ist, findet man genügend Möglichkeiten, sich richtig auszupowern.

Erwarten Sie dadurch eher einen Zuwachs der XC-„Gemeinde“ allgemein oder eine Art parallele Fitness- und Bodyshaping-Gruppe? 

Wir erwarten einen Zuwachs der XC-„Gemeinde“ allgemein. Am Ende werden sich alle Personen, die von Skiletics „-infiziert“ sind, in irgendeiner Form auf Langlaufski bewegen. Derzeit rennen so viele, vor allem jüngere, in Fitnessstudios, um sich und ihrem Körper etwas Gutes zu tun. Das wollen wir damit nicht verteufeln – wir möchten aber deutlich machen, dass es vor allem im Winter eine Möglichkeit gibt, dieses Fitnesstraining auf Ski im Freien durchzuführen – mit dem Vorteil der frischen Luft sowie des Naturerlebnisses.

Zu Beginn gab es ausschließliche Workouts im Schnee, jetzt kommen Indoor-Übungen dazu. Wohin bewegt 
sich das Angebot, und gibt es schon Feedback, wer das Angebot eher annimmt: Langläufer oder Quereinsteiger?

Wir haben mit 19 verschiedenen Winter-Excercises begonnen, die durch 16 Vor-bereitungsübungen ergänzt wurden, für 
die man keinen Schnee braucht. In diesem Sommer sind 17 auf Skirollern hinzugekommen. Mit diesen Lektionen als Basis sind derzeit je 196 Workout-Pläne in Deutsch und Englisch für unterschiedliche Levels entstanden. Damit kann sich jeder das gesamte Jahr über mit Skiletics fit-halten. Bisher wird das Angebot, hauptsächlich aus Neugier, sehr stark von -bereits aktiven Langläufern angenommen, 
die damit ihren Langlauf-Alltag attraktiver -gestalten. Aber auch Quereinsteiger, wie Triathleten, Mountainbiker, Ruderer oder klassische Fitnessstudio-Gänger, nutzen mit sehr positivem Feedback die Skiletics Workout-Pläne. Wenn wir bei Openings Schnupper-Workouts anbieten, sind die Gesichter am Ende zwar teilweise etwas müde, dafür aber umso strahlender.

Wenn jemand neu ist und keine Ski hat, was empfehlen Sie? Leihen oder kaufen, Skating- oder Classic-Ausrüstung oder Kombiski und -Schuhe? Gebraucht oder neu? 

Generell ist es natürlich oft so, dass man sich beim ersten Versuch gerne die Aus-rüstung ausleiht, um zu testen, ob man selbst Spaß daran hat. Auf Dauer ist es mit Sicherheit angenehmer, wenn man nicht nur eigene Ski, sondern vor allem eigene Schuhe hat. Ob Skating oder Classic ist abhängig von den Vorerfahrungen. Die sichere Variante, da dem Gehen am ähnlichsten, ist der Classic-Stil. Ist man sehr sportlich unterwegs und hat Erfahrung mit Inline-skaten, kann man sich meist ohne Probleme auf Skatingski fortbewegen. Wenn jemand beides gerne testen möchte, ist er mit einem Kombischuh gut beraten, von Kombiski ist eher abzuraten, da der Kompromiss auf Skiebene zwischen den beiden Techniken doch sehr weit ist. Ob gebraucht oder neu ist dann eher die Frage der Größe des Geldbeutels bzw. des Inhaltes.

In den Clips scheint mit Absicht kein starres Sätze- oder Wiederholungskonzept angegeben zu sein. Wie sollte denn grob ein Workout ablaufen? Separat, in einer Runde eingebaut, am Anfang, am Ende, wie viele Wiederholungen?

Die Coaching-Clips dienen zur Verdeutlichung, wie die einzelnen Exercises ausgeführt werden. Die bildliche Darstellung des Übungsablaufes im Videoclip wird jeweils ergänzt durch eine kurze Erklärung zur „Performance“ – wie läuft die Übung ab? – und zum „Fokus“ – worauf ist bei der Übung besonders zu achten? Die Coaching-Clips sind Basis für die zusätzlichen, detaillierten Workout-Pläne. In diesen wird der komplette Ablauf eines Workouts dargestellt – inklusive Warm-up und Cool-down, Intensität und der Menge der Wiederholungen/Sätze sowie der Pausenzeiten und Infos zum benötigten Gelände.

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Oberschenkel brennen: Redakteur Timo Dillenberger kann beim Bogentreten ohne Stöcke nach zwei Minuten kaum noch die Hocke halten!
© Timo Dillenberger

Das Model in den Clips scheint ja durchaus laufen zu können. Kann ein „Normalo“ bei der Kürze der Anleitungen -eigentlich Fehler machen?

Richtig, in den Clips beschränken sich die Informationen auf die wichtigsten Punkte, die für die Ausführung der Exercises wichtig sind, damit der Teilnehmer diese Informationen auch aufnehmen und umsetzen kann. Generell geht es nicht darum, eine perfekte Lauftechnik zu erreichen, sondern die körperliche Fitness zu steigern. Folglich ist es auch nicht so entscheidend, wie technisch sauber z. B. der -Doppelstockschub ausgeführt wird. Der Teilnehmer wird auf jeden Fall, wenn er sich mit beiden Stöcken gleichzeitig vorwärts schiebt, am Ende seine Arm- und Rumpfmuskulatur trainieren. Wenn er -dabei als Fokus die Rumpfstabilität beim Stockschub und die aktive Hüftstreckung vor dem Stockeinsatz beachtet, wird er keine Fehler machen, die negative -Auswirkungen haben könnten.

Skiletics wurde vor drei Jahren vorgestellt, werden weitere Inhalte produziert?

Im vergangenen Dezember wurde www.skiletics.com gelauncht und die Inhalte, nachdem wir vorher selbstverständlich alle Programme in kleineren Gruppen durch-getestet hatten, der Öffentlichkeit kostenlos zugänglich gemacht. Dieses Jahr geht Skiletics somit in die zweite „Live-Saison“. 
Das Programm ist ein lebendiges, das sich stetig weiterentwickelt. Wie erwähnt sind -diesen Sommer Skiroller-Exercises hinzugekommen. Partnerübungen auf Skirollern sowie weitere auf Ski sind in Vorbereitung. Die Winterübungen sollen in Zukunft -natürlich auch ausgeweitet werden. Bisher kommt man mit den bestehenden Winterübungen bereits über zwei Wochen mit täglich unterschiedlichen Workout-Plänen durch – für die Durchführung empfiehlt sich eh, die Workouts zu wiederholen, 
da sich dann auch die Übungen festigen und man selbst leichter einen Fortschritt -erkennen kann. <

Der Beitrag ist erschienen in nordic sports 5/18.

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