Hoffnungsträger mit Gewehr

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Das Ziel vor Augen: Derzeit startet Danilo Riethmüller noch in zweiter Reihe, doch der Hasselfelder gilt als großes Talent.
© imago/Rolf Simeon

Im deutschen Biathlon-Nachwuchs zählt Danilo Riethmüller zu den Top-Athleten. Ein Porträt des aktuellen Junioren-Weltmeisters in der Verfolgung.

Text: Jonas Giesenhagen

Wenn Daniel Böhm an Nachwuchs-Biathlet Danilo Riethmüller denkt, gerät er ins Schwärmen: „Ihm traue ich den dauerhaften Sprung in den 1a-Kader zu. Als Junior bietet er schon Top-Laufzeiten an“, sagte der Sotschi-Silbermedaillengewinner im Gespräch mit nordic sports. Riethmüller selbst weiß mit dem Lob umzugehen: „Ich nehme das so mit, aber mache da keinen großen Hype draus“, entgegnet der 20-Jährige beschwichtigend: „Man muss sich schließlich erst mal für die Lehrgangsgruppen qualifizieren und dann auch dort seinen Platz durch gute Leistungen immer wieder rechtfertigen.“

Für den Athleten des WSV Clausthal-Zellerfeld führt der Weg nach oben über den IBU-Cup, die zweithöchste Klasse im Biathlon, in der man sich für höhere Aufgaben empfehlen kann. Schon im vergangenen Jahr war Riethmüller dort angetreten und konnte im italienischen Martell sogar seine erste Podiumsplatzierung feiern. Im Sprint landete er auf Rang drei und ­verbuchte dabei keinen Schießfehler. „Normalerweise ist das Schießen mein Problem“, gesteht Riethmüller, der auch mit Hilfe seines Jobs bei der Bundespolizei stetig daran arbeitet und genau weiß, wie er am Schießstand besser werden kann. „Das kommt einerseits über die Wettkampferfahrung, die man über die Jahre sammelt. Andererseits ist es auch wichtig, dass man das Gewehr in die Hand nimmt und alleine auf dem Zimmer immer wieder Trockenübungen absolviert“, erklärt der laufstarke Nachwuchs-Biathlet.

Seine physische Stärke konnte er im September bei den Deutschen Meisterschaften unter Beweis stellen. Im Sprint wurde der Hasselfelder in 25:41,1 Minuten Siebter und kam damit rund 40 Sekunden hinter Sieger Simon Schempp (25:00,2 Minuten), aber zehn Sekunden vor Pyeongchang-Olympiasieger Arnd Peiffer (25:51,3 Minuten), ins Ziel. Im Spezial­langlauf konnte Riethmüller seine Stärken noch mehr unter Beweis stellen und wurde in 22:28,1 Minuten Sechster von 57 Teilnehmern.

Zuversichtlich in die Winter­saison

Den Schwung der guten Ergebnisse auf Skirollern will der Youngster mit in den IBU-Cup nehmen. „Die DM hat mir gezeigt, dass ich das Zeug dazu habe, die Großen zu ärgern“, sagt Riethmüller selbstbewusst. Vor allem aber möchte er die Rennserie nutzen, um Erfahrungen für seinen persönlichen Saisonhöhepunkt, die Junioren-WM im schweizerischen Lenzerheide (23. Januar bis 2. Februar 2020), zu sammeln. „Gerade im Schießen möchte ich abgebrühter werden –und das dann bei der Junioren-WM zeigen“, erläutert er.

Konkrete Ziele nimmt sich Riethmüller dafür aber nicht vor: „Ich befasse mich da generell erst relativ spät mit, denn wenn man die ganze Zeit über Ziele nachdenkt, wird es auch nicht einfacher.“ Auch die eigene Karriereplanung geht er ruhig an, über etwaige Sprünge in die 1a-Lehrgangsgruppe denkt der Laufspezialist noch nicht nach.

Dennoch ist sich Riethmüller seiner eigenen Stärken durchaus bewusst und weiß genau, wo diese liegen. „Im Sprint reizt mich die Kombination aus gutem Laufen und Schießen“, erklärt er. Doch auch das Einzel zählt zu seinen Lieblingsdisziplinen: „Da liegt der volle Fokus auf dem Schießen, sodass man auch mal ein wenig entspannter laufen kann.“

Im Gegensatz zu vielen anderen Nachwuchsbiathleten liegen Riethmüller sowohl längere als auch kürzere Distanzen. Letztere auch gerne bei der Staffel, denn gemeinsam mit der Mannschaft zu laufen und Erfolge zu feiern findet der Nachwuchs-Biathlet „einfach geil.“

Auch auf dem Motorrad zu Hause

Riethmüller fühlt sich aber nicht nur auf Ski wohl, sondern sitzt auch gerne auf dem Motocross-Motorrad. Durch seinen Onkel, der selbst ambitionierter Motocross-Fahrer ist, kam er zu dem actionreichen Hobby. „Am Anfang wurde es von den Trainern wegen der Verletzungsgefahr nicht so gerne gesehen“, sagt er. Doch auch auf Langlaufski komme er schließlich bei steileren Abfahrten schnell auf hohe Geschwindigkeiten. Mittlerweile fährt Riethmüller, der sich seine erste Maschine vom Ausbildungsgehalt der Bundespolizei gekauft hat, in Sachsen-Anhalt in der Enduro-Serie mit. „Vergleichbar ist das etwa mit der dritten Liga im Fußball“, erklärt er. Motocross soll aber nur ein Hobby bleiben. Den Hauptfokus legt das Talent natürlich auf Biathlon.

Dabei kommt ihm die Ausbildung bei der Bundespolizei sehr gelegen. „Dort habe ich die idealen Bedingungen, um mich sportlich und beruflich weiterentwickeln zu können“, erklärt Riethmüller. Mit Roland Biermeier und Engelbert Sklorz hat er in Ruhpolding zwei Biathlon-spezifische Trainer, die gleichzeitig auch als Lehrer tätig sind. Die Ausbildung geht über vier Jahre jeweils von März bis Juli, wobei das Lernpensum in den ersten beiden Monaten deutlich höher ist, da diese in die Erholungszeit nach der Wintersportsaison fallen. Ab Mai wird das Schulpensum dann etwas runtergeschraubt, dafür steht nachmittags Training auf dem Programm. Für Riethmüller ist dieses Modell eine perfekte Mischung, um sich auf Biathlon fokussieren zu können, seine Karriere bei der Polizei aber nicht vernachlässigen zu müssen.

Sicher hätte er auch nichts dagegen, wenn er bald das Motorrad und die Ausbildung ein wenig hintanstellen müsste, um sich voll und ganz auf den Wintersport zu konzentrieren – dann vielleicht sogar im Weltcup, um auch dort die ganz ­Großen zu ärgern. <

Der Beitrag erschien in nordic sports 5/19

Anmerkung: Am 2. Februar 2020 gewann Danilo Riethmüller den Titel bei der Junioren-WM in der Verfolgung.

Das ist Danilo Riethmüller

Geburtsdatum: 13. November 1999


Geburtsort: Blankenburg


Größe/Gewicht: 1,73 m/75 kg


Ski-Club: WSV Clausthal-Zellerfeld


Weltcup-Debüt: -

Größte Erfolge: Junioren-Weltmeister Verfolgung 2020, Silber Junioren-WM 2019 (Staffel)


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