„Ich brauche auch Abwechslung vom Sport“

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Dorothea hat im Biathlon schon fast alle großen Titel gewonnen, unter anderem zwei Mal den Gesmatweltcup.
© imago images/Lehtikuva

Dorothea Wierer ist eine der dominierenden Biathletinnen der letzten Jahre. nordic sports traf sie während des Sommertrainings in ihrer Heimatregion in Antholz – zu einem Gespräch über ihr Leben als Biathlon-Profi und ihre Zukunftspläne. Dabei verriet die ­Südtirolerin auch, wo sie sich noch weiter verbessern will.

Interview: Robin Siegert

"Hoi“, höre ich eine weibliche Stimme rufen, als ich gerade an meinem Cappuccino nippe. Es ist Dorothea Wierer, die mich mit dieser Südtiroler Version von „Hallo“ begrüßt. Mit dieser schwungvollen Art bestätigt sie gleich das Bild, das ich von ihr hatte als einer Athletin, die den Biathlonsport in den vergangenen Jahren nicht nur durch ihre großen Erfolge wie den zweimaligen Gewinn des Gesamtweltcups entscheidend mitgeprägt hat, sondern auch durch ihre starke Ausstrahlung als lebenslustige und bodenständige Power-Frau. Hier in Antholz, wo wir zum Interview verabredet sind, liegen ihre Wurzeln. Ganz in der Nähe in Bruneck ist Wierer als drittes von fünf Kindern der Familie geboren, in Niederrasen am Eingang des Antholzer Tals ist sie aufgewachsen. Und in der Südtirol-Arena hinter dem höchstgelegenen Ort des Tals, Antholz-Obertal auf circa 1.600 Metern, hat die Schnellschützin 2020 ihre wohl größten Triumphe gefeiert: zwei WM-Goldmedaillen. Also der perfekte Ort für unser Treffen, bei dem wir mit der 31-Jährigen über ihre Einstellung zu ihrem Sport wie zum Leben im Allgemeinen sprechen, über ihren Blick auf die kommenden Olympischen Spiele in Peking – und über die Herausforderung, als Profi die Balance zwischen Training und Erholung zu finden. Eine leichte Fußverletzung liefert dazu gleich den Anlass.

nordic sports: Hallo Dorothea, wie geht’s dir? Du hast dich am Fuß verletzt …

Dorothea Wierer: Ach, das ist nichts Schlimmes. Die Bänder am Sprunggelenk sind ein bisschen überdehnt. Aber ich denke, dass ich in ein paar Tagen wieder laufen kann. Und Gott sei Dank kommt jetzt eine Ruhewoche, da kann ich ein bisschen Rad fahren, Yoga, Krafttraining oder Schießtraining machen.

Das wirft dich also nicht in der Saisonvorbereitung zurück?

Eigentlich nicht. Aber es ist trotzdem auch nicht so leicht, es so locker zu sehen. Als Leistungssportlerin empfindet man eine Verletzung immer wie eine kleine Tragödie (lacht). Da denkt man schnell, man würde entscheidend Zeit verlieren. Dabei passiert realistisch betrachtet nichts. Ich trainiere ja schon seit Jahren, da verliere ich nicht gleich große Teile meiner Ausdauerfähigkeiten, wenn ich mal ein paar Tage nicht trainiere.

Ist es eine der großen Herausforderungen für dich als Profi-Biathletin, die Balance zu finden zwischen Training und Ruhepausen, sei es aus Verletzungsgründen oder einfach der Erholung wegen?

Es ist auf jeden Fall für mich wirklich ein Problem, dass ich mir teilweise nicht die Ruhetage gönne, die ich brauche. Die sind gerade für Leistungssportler sehr wichtig, aber man bekommt schnell ein schlechtes Gewissen, wenn man daran denkt, dass die anderen trainieren und man selbst nicht. Selbst bei Krankheit möchte man sehr schnell wieder trainieren, weil man glaubt, etwas nachholen zu müssen, obwohl, wie gesagt, ein paar Tage Pause einen nicht groß zurück-werfen. Vom Kopf her ist es aber schwierig, das zu akzeptieren.

Bist du auch schon krank in Rennen gegangen?

Früher war ich recht oft krank, hatte mehrfach im Winter einen Infekt oder Ähnliches. Da bin ich in der Tat auch schon mit Fieber an den Start gegangen. Zum Beispiel in der Staffel, wenn wir da nur vier Mädels hatten und wir ohne mich kein Team hätten ins Rennen schicken können. Natürlich verzeiht der Körper das nicht – irgendwann, vielleicht zwei, drei Wochen danach, haut es dich dann wieder um.

Du sagtest „früher“. Es hat sich also zum Positiven entwickelt?

Ja, in den letzten drei, vier Jahren war ich nicht mehr so oft krank. Vielleicht bin ich mental stärker geworden und nehme es alles etwas lockerer. Inzwischen lasse ich mich auch jedes Jahr gegen Grippe impfen, vielleicht spielt das auch eine Rolle. Aber grundsätzlich bin ich schon relativ anfällig. Und ich bin ja nicht nur dem Stress durch den Sport mit den Wettkämpfen und dem Training ausgesetzt. Die Sponsorentermine, die Interviews und Fotoshootings, das alles ist schon ziemlich viel. Diesen Druck haben viele andere nicht in dem Maße, aber ich bin andererseits froh, solch coole Sponsoren zu haben und dieses Interesse zu spüren. Klar verlangen sie auch viel, und ich hab einen gewissen Druck, Erfolge abzuliefern. Aber ich kann damit insgesamt inzwischen gut umgehen und das auch gut organisieren.

Wie schaltest du von dem Druck und Stress ab, wenn mal kein Wettkampf oder Training auf dem Programm steht?

Ich bin gerne mit Freunden unterwegs, shoppe gern oder liege einfach in der Sonne.

Das komplette Interview flesen Sie in nordic sports 4/21.

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