Wo der Langlauf zu Hause ist

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Auf geht’s! Der Start des Gommerlaufs bei der 47. Auflage 2019.
© Raphael Schmid

Am 22. und 23. Februar findet in Obergoms im Schweizer Kanton Wallis der ­Inter­nationale Gommerlauf statt. Ein Event, das Anfang der 1970er-Jahre ganz klein anfing – und heute rund 2.000 Langlauf-Fans anlockt.

Als am ersten Märzwochenende 1972 der Startschuss zum ersten Obergommer Marathon mit 150 Teilnehmern fiel, war dies die Geburtsstunde eines Skilanglauf-Events, das heute internationale Bekanntheit hat – und diese auch im Namen trägt: Der Internationale Gommerlauf zieht inzwischen rund 2.000 Skilanglauf-Fans an. Doch die Ursprünge dieser Entwicklung reichen noch weiter ­zurück …

Engagierte Langlauffreunde

Das erste Obergommer Verbandsrennen ­wurde mit der Gründung des Ski-Clubs Obergoms 1948 ins Leben gerufen. Die Popularität des Langlaufsports stieg im Obergoms, als Karl Hischier 1956 Militär-Weltmeister wurde. Aber es dauerte noch einige Jahre, bis das erste Volksrennen ausgetragen ­wurde. Im April 1970 gründete eine Gruppe engagierter und motivierter Langlauffreunde die Vereinigung „Skilauf- und Wanderpiste Obergoms“. Auf der Gründerversammlung wurde beschlossen, dass die Loipe auf der Schattenseite des Tals liegen muss, weil der Schnee dort länger liegen bleibt.

Das gewählte Komitee hatte die Aufgabe, im Sommer 1970 die Streckenführung der Loipe vorzubereiten, was keine ­einfache Aufgabe war. Die Loipe verlief im ersten Jahr von Oberwald bis nach Gluringen und folgte mehr oder weniger dem Lauf der Rhone, deren Ufer aus einer ­Auen­landschaft bestand, sodass viel Holz beseitigt werden musste. Für die Wintersaison mussten auch etliche Brücken ­gebaut werden. ­Diese Arbeiten wurden alle in Fronarbeit ausgeführt.

Um die Loipe spuren zu können, wurde ein Motorschlitten gekauft, an den ein ­eigens dafür konstruiertes Spurgerät angehängt wurde. Für das Präparieren der ­Loipe waren immer zwei Personen erforderlich: Eine lenkte den Motorschlitten, die zweite war für den Druck des Spurgerätes verantwortlich. Dies war wichtig, um die Spuren tief genug zu ziehen. Frisch gespurt wurde nur bei Neuschnee.

März 1972: Obergommer Marathon

1971/72 konnte die erste Wintersaison im Goms in Angriff genommen werden. Am ersten März-Wochenende 1972 fand dann der erste Obergommer Marathon mit 150 Teilnehmern statt. Aus dem Organisationskomitee hatte keiner Erfahrungen auf diesem Gebiet. Erst nach dem Lauf ­erfuhr man, dass der Name „Marathon“ nicht zulässig sei, weil das Rennen keine 42 Kilometer lang sei.

In den Sommermonaten des Jahres 1972 investierten die Veranstalter viel ­Arbeit in die Erweiterung der Loipe bis nach Blitzingen. Um die Arbeiten zu vereinfachen, wurde ein Pistenfahrzeug mit Spurgerät gekauft. Allerdings erbrachte dieses nicht die gewünschte Leistung, weil die Maschine einen zu schwachen Motor hatte. Ungeachtet dessen fand die Geschichte des Volkslaufes in Obergoms ihre Fortsetzung. Am 19. März 1973 fand er unter dem neuen Namen „1. Obergommerlauf“ statt und führte nach einem Massenstart von Blitzingen bis Oberwald. Die Zeiten wurden per Stoppuhr gemessen. Die Teilnehmer kamen vorwiegend aus dem Wallis und der Schweiz, Sieger waren Beat Anthenien und Mariette Wirthner.

Steigende Teilnehmerzahlen

Bereits im darauffolgenden Jahr wurden die Zeiten mit einer speziellen Uhr gemessen. Die Zahl der Teilnehmer stieg weiter. Die 1.000er-Grenze wurde Anfang der 1980er-Jahre erreicht. Damals wurde der Volkslauf in „Gommerlauf“ umbenannt. Die Tourismusregion Fiesch steuerte als Sponsor einen größeren Betrag mit der Auflage bei, dass die Region im Namen genannt wird.

Das Dorf Niederwald war bis 1984 nicht ans Loipennetz angeschlossen, da der Wald zwischen ­Blitzingen und Niederwald bis an die Rhone reichte. 1984 riss eine Lawine ­einen großen Teil des Waldes mit sich. Daraufhin konnte im folgenden Winter die Loipe erstmals bis nach Niederwald gespurt werden und ­wurde auch Teil des Rennens.

Der Volkslauf und die Vereinigung, die ihn gründete, haben sich in den fast 50 Jahren seit den Anfängen stetig verändert und weiterentwickelt. 1996 wurde die Loipe Goms gegründet, die in das dama­lige Gästecenter Obergoms (heute Obergoms Tourismus AG) integriert wurde.

Fünf Rennen im Programm

Inzwischen werden bei der Veranstaltung fünf verschiedene Rennen angeboten: der Gommer Klassiker und der Gommerlauf über jeweils 21 Kilometer, die relativ flach und bestens für Genussläufer geeignet sind, und der Internationale Gommer Skimarathon über 42 Kilometer, der auf einer anspruchsvollen Strecke sämtliche Dörfer der Loipe Goms verbindet und zu den härtesten Volksläufen im Alpenraum zählt, sowie die Kinderrennen Mini-Gommer und Leonteq Biathlon Cup.

Die Zeitmessung wird seit 1999 vom ­IT-Dienstleister für Sportveranstaltungen Datasport durchgeführt. Seit 2008 ist der Gommerlauf ein internationales Event mit heute rund 2.000 Teilnehmern aus 20 Nationen. Ein Highlight und bei den ­Zuschauern sehr beliebt ist die fahrende Tribüne, die am Sonntag die Spitzen­gruppe begleitet. <

Das Rennprogramm 2020

Samstag, 22. Februar 2020

09:30 Uhr: 21 km klassisch (Gommer Klassiker)

11:00 Uhr: 21 km frei (Gommerlauf)

12:30 Uhr: Leonteq Biathlon Cup


Sonntag, 23. Februar 2020

09:30 Uhr: 42 km frei (Internationaler Gommer Skimarathon)

13:00 Uhr: Mini-Gommerlauf

Start/Ziel aller Rennen: Nordisches Zentrum Ulrichen

Infos: www.obergoms.ch

Der Beitrag stammt aus dem Volkslauf-Special der Ausgabe 4/19.

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