„Weltspitze ist erreichbar“

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Peter Schlickenrieder ist zuversichtlich, dass die deutschen Langläufer wieder auf Topniveau kommen.
© imago images

Peter Schlickenrieder geht in seine zweite Saison als Teamchef der deutschen Skilangläufer. nordic sports sprach mit ihm über die Verfassung seiner Athleten und darüber, inwiefern die kommende Saison ein Testlauf für die Heim-WM in Oberstdorf 2021 sein soll.

Herr Schlickenrieder, wie ist Ihr Team durch den Sommer gekommen?

Im Großen und Ganzen recht gut. Allerdings leidet Anne Winkler schon länger unter ihrer Bänderverletzung am Knöchel und wird das nicht richtig los. Und Florian Notz ist beim Höhentraining, das er im Hinblick auf Olympia 2022 – wo auch in der Höhe gelaufen wird – in einem kleinen Team mit Thomas Wick und Lucas Bögl gemacht hat, krank geworden. Er hat lange gebraucht, um wieder voll trainieren zu können. Man muss einerseits grundsätzlich sagen, dass man im Vergleich zu früher heute in Bereichen trainiert und trainieren muss, wo es schon an die körperlichen Grenzen geht. Andererseits hat der Florian auch in den letzten Jahren immer wieder Probleme mit Erkrankungen gehabt. Da fehlt es ihm offensichtlich grundsätzlich ein bisschen an der körperlichen Stabilität.

Haben Sie diesmal in der Zwischensaison etwas anders gemacht im Training als sonst?

Wir waren nicht auf den Gletschern, haben dafür viel in der Skihalle trainiert. Das war eine Folge der Analyse des letzten Jahres. Es ging darum, dahin zu gehen, wo man effizient arbeiten und alles vereinen kann: Athletiktraining, Krafttraining, Laufbandtraining, Skitraining. In der Halle fehlt natürlich der motivierende Effekt des Landschaftspanoramas, da braucht es sehr viel Eigenmotivation. Aber die Athleten haben das sehr zielführend durchgezogen. Und von ihnen kam auch der erste Vorschlag, was wir gut fanden. Denn wir wollen ja den eigenverantwortlichen Athleten, der sich mit Trainingsplanung und -steuerung beschäftigt.

Wie geht es Thomas Bing nach seinem Schien- und Wadenbeinbruch, der ihn vor der WM ausgeknockt hatte?

Er ist auf einem sehr guten Weg. Er hat viel trainiert, von der Kraft her ist er schon wieder sehr gut dabei, im Doppelstock-Schub läuft es hervorragend. Das hat man bei der Leistungskontrolle in Oberhof gesehen, wo er im Rollskirennen Zweiter geworden ist. Bei komplexen Anforderungen, der Feinmotorik im Unterfußbereich, speziell beim Skaten auf Schnee, sieht es natürlich noch anders aus. Da fehlt noch einiges. Er kann aber noch nicht die notwendigen Umfänge trainieren, sodass er wohl eher so Mitte der Saison einsteigen und dann erst mal im Deutschland-Pokal und Continental Cup starten wird. Vielleicht klappt es noch mit Weltcup-Einsätzen in der zweiten Saisonhälfte, aber es geht jetzt vorwiegend darum, ihn schrittweise wieder aufzubauen im Hinblick auf die WM-Saison. Dazu gehören auch zwei Rehaphasen, wo er noch mal alle Systeme durchchecken lässt.

Victoria Carl hat sich im März am Knie operieren lassen. Der Zeitpunkt war ja gezielt gewählt. Wie entwickelt sich bei ihr der Formaufbau?

Victoria ist aus meiner Sicht dem Plan ein Stück voraus. Sie arbeitet sehr akribisch und hat auch schon bei der Leistungskontrolle auf Rollski einen sehr guten Eindruck gemacht. Natürlich kann sie zu Fuß noch nicht die Belastungsumfänge machen, die eigentlich in der Vorbereitung erforderlich wären, bei der Leistungskontrolle haben wir ihr das Laufen auch noch nicht zugemutet. Victoria wird den Rückstand sicher in der Saison merken. Uns kommt es darauf an, dass sie zu unserem Saisonhöhepunkt, so Anfang März, wieder auf ihrem Topniveau angekommen ist, so wie wir das in der vergangenen Saison hinbekommen haben. Dass Victoria also bis dahin die fehlenden Umfänge kompensiert hat. Und das halte ich auch für sehr gut möglich.

Das komplette Interview finden Sie in nordic sports 4/2019.

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